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Gotisch

Beitragvon Aelinor » 15.03.2007, 09:11

Die Gotische Sprache (Eigenbezeichnung: *gutiska razda) ist eine von dem germanischen Stamm der Goten gesprochene ostgermanische Sprache und dank der so genannten Wulfilabibel die älteste uns überlieferte germanische Schriftsprache.



Das Gotische unterscheidet sich von west- und nordgermanischen Sprachen v. a. durch den Erhalt der Nominativ Singular-Endung -s: gotisch dags, gasts, sunus gegenüber althochdeutsch tag, gast, sunu oder altnordisch dagr, gestr, sunr. Außerdem hat es als einzige Sprache eine ganze Reihe von archaischen Formen bewahrt (siehe: Grammatik, Verben, Archaismen). (Vgl. gotisch gasts und lateinisch hostis).



Geschichte



Im 4. Jahrhundert übersetzte der gotische Bischof Wulfila die Bibel ins Gotische (Wulfilabibel). Daneben gibt es nur wenige andere gotische Sprachzeugnisse, nämlich wenige Runeninschriften, die Skeireins (Bibelauslegungen), ein Bruchstück eines Kalenders und ostgotische Urkundenunterschriften aus dem 6. Jahrhundert.



Nach dem Ende der gotischen Reiche (Ostgotenreich in Italien 493–555 und das Westgotenreich in Spanien 466–711) ging auch die gotische Sprache weitgehend verloren, wobei in Spanien bereits seit dem Übertritt der gotischen Herrenschicht (nur etwa 2–3% der Bevölkerung waren Goten) vom Arianismus zum Katholizismus und der damit einhergehenden Vermischung der verschiedenen Volksgruppen (Romanen, Goten, Sweben, romanisierte Kelten) unter König Rekkared I. (Regierungszeit von 586 bis 601) der Gebrauch der gotischen Sprache zugunsten der frühspanischen Umgangssprache zurückging.



Nur auf der Halbinsel Krim, bei dem dort zurückgebliebenen Teil der Ostgoten, den späteren Krimgoten, konnte sich das Krimgotische von der Einwanderung Mitte des 3. Jahrhunderts n. Chr. bis um ca. 1800 halten, bevor es endgültig von der tatarischen Sprache verdrängt wurde. Umstritten sind Zusammenhänge der gotischen Sprache mit skandinavischen Sprachen, die in der Regel mit der in der gotischen Stammes-Sage angegebenen Herkunft aus Südschweden (siehe Scandza) in Zusammenhang gebracht werden. Immerhin gibt es auffällige Ähnlichkeiten im Wortschatz des Schwedischen (insbesondere des auf Gotland gesprochenen Dialekts Gutamål) und des Gotischen, während das Gotische in morphologischer Hinsicht interessante Ähnlichkeiten zum Althochdeutschen zeigt.



Grammatik



Im Gotischen gibt es dieselben vier Fälle (Kasus) wie im Deutschen, nämlich Nominativ, Genitiv, Dativ und Akkusativ. In einigen Formen taucht noch ein fünfter Kasus, der Vokativ, auf, der jedoch immer mehr mit dem Nominativ verschmilzt. Des weiteren existieren zwei Zeiten (Tempora) (Vergangenheit und Nicht-Vergangenheit) und drei Numeri (Singular, Plural, Dual). Der Dual existiert jedoch nur bei Pronomina und Verben.



Lautlehre



Das Gotische kennt fünf kurze und sieben lange Vokale.



http://de.wikipedia.org/wiki/Gotische_Sprache



Die Konsonanten



http://de.wikipedia.org/wiki/Gotische_Sprache



Von den germanischen Diphthongen ist nur noch: [iu] <iu> erhalten. Einige Forscher denken, dass die germanischen Diphthongen ai und au in Wulfilas Sprache immer noch als [ai] bzw. [au] ausgesprochen wurden, während andere meinen, dass sie monophthongiert worden waren. In den gotischen Namen schreiben die lateinischen Schriftsteller dafür einen Monophthong ab dem 4. Jahrhundert (Austrogoti > Ostrogoti). Aber: Die Historia Augusta (ca. 360(?), also wahrscheinlich zur Zeit Wulfilas) schreibt Austrogothi; die o für au sind alle jünger. Ob noch im 6. Jh. bei Jordanes Gapt, dessen p vermutlich wie [w] ausgesprochen wurde, für Gaut stehen könnte, ist ungewiß. Auch ai ist zumindest bis 400 erhalten (Gainas, Radagaisus). Der Runenring von Pietroassa hat hailag. Das während der Wandalenherrschaft in Afrika, also ca. 430-530, entstandene Gedicht De conviviis barbaris der Anthologia Latina hat eils, also ebenfalls Diphthong. Die Wiedergabe griechischer Wörter im Bibelgotisch spricht hingegen für eine monophthongische Aussprache (z.B. Pawlus)



Lautlich (phonologisch) hat sich vom Germanischen zum Gotischen weniger verändert als zu den übrigen altgermanischen Sprachen. Dies hängt sicher auch damit zusammen, dass die Überlieferung des Gotischen - mit Ausnahme der altnordischen Runeninschriften - fast dreihundert Jahre vor der Überlieferung der anderen germanischen Sprachen einsetzt.



Es handelt sich um folgende Lautgesetze:



* germ. e > got. i (auch im Diphthong eu > iu)

* i und u werden vor r, h, ƕ zu aí [ɛ] bzw. aú [ɔ] geöffnet.

* Auslautverhärtung: b, d, g > f, þ, h (g)

* Verschärfung: ww, jj > ggw (triggws "treu"), ddj (-waddjus "Wand")



Syntax

In der Bibelübersetzung ist die Satzstellung häufig an das griechische Vorbild angeglichen, was zumindest zeigt, dass die Satzstellung keinen allzu festen Regeln unterworfen war wie etwa im Englischen. Wie in allen germanischen Sprachen werden die meisten Attributive vorangestellt: sa alþa wulfs "der alte Wolf". Der bestimmte Artikel sa, sô, þata ist noch nicht (wie im Altgriechischen) zum bloßen Formwort degradiert worden, einen unbestimmten Artikel gibt es nicht. Das Personalpronomen als Subjekt ist nicht immer obligatorisch. Entscheidungsfragen können durch die (enklitische) Partikel -u gebildet werden: niu qimis þu? "kommst du nicht?", wird eine Verneinung als Antwort erwartet, benutzt man ibai: ibai qimis "du kommst nicht, oder?".



Substantive

Das Gotische hat vier indogermanische Kasus bewahrt: den Nominativ zur Bezeichnung des Subjekts, den Akkusativ zur Bezeichnung des direkten Objekts, außerdem den Genitiv und den Dativ. Ein Instrumental ist (anders als im Althochdeutschen) nur bei einigen Pronomen erhalten. Der Vokativ (die Anredeform) ist gewöhnlich gleich dem Nominativ, nur im Singular derjenigen Klassen, die im Nominativ ein -s haben, ist er gleich dem Akkusativ. Ein Dual ist nicht erhalten. Gotische Substantive lassen sich in etwa ein Dutzend verschiedener Klassen einteilen, von denen die meisten in heutigen germanischen Sprachen mit Substantivflexion (Deutsch, Isländisch) nicht mehr existieren.





Die gotischen Substantivklassen ("Stämme")



http://de.wikipedia.org/wiki/Gotische_Sprache



[Bearbeiten]



Fast alle gotischen Verben werden nach dem urindogermanischen Prinzip der sogenannten "thematischen" Konjugation flektiert, das heißt, sie setzen einen sogenannten Themavokal zwischen Wurzel und Flexionssuffix ein. Die für das Indogermanische rekonstruierten Themavokale sind *e und *o, im Gotischen sind sie weiterentwickelt zu i und u. Die andere, "athematische" Konjugation, bei der Suffixe direkt an die Wurzel angefügt werden, existiert im Gotischen nur noch beim Verb wisan "sein" sowie bei einigen Klassen der schwach deklinierten Verben (z. B. behält das Verb salbôn "salben" seinen Stamm salbô- stets unverändert bei, es treten keine Themavokale hinzu wie z. B. bei baíran (s.u.)). Das athematisch Verb wisan zeigt im Indikativ Präsens wie in allen indogermanischen Sprachen viele Unregelmäßigkeiten aufgrund des Wechsels von Normal- und Schwundstufe:



http://de.wikipedia.org/wiki/Gotische_Sprache



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Beitragvon Aelinor » 15.03.2007, 09:12

Gotisch (200 n.Chr. – 800)

aus der Bibelübersetzung des westgotischen Bischofs Wulfila (um 350 n.Chr.)

Handschrift: Codex Argenteus; Text: Matthäus VI., 9 - 13

(ostgotische Prachthandschrift für Theoderich den Großen aus dem frühen 6. Jahrhundert)



Atta unsar, þu in himinam, weihnai namo þein. Qimai þiudinassus þeins. Wairþai wilja þeins, swe in himina jah ana airþai. Hlaif unsarana þana sinteinan gif uns himma daga. Jah aflet uns þatei skulans sijaima, swaswe jah weis afletam þaim skulam unsaraim. Jah ni briggais uns in fraistubnjai, ak lausei uns af þamma ubilin. Unte þeina ist þiudangardi jah mahts jah wulþus in aiwins.



Vater unser, du im Himmel, geweiht (sei) dein Name. Komme dein Volksreich. Werde dein Wille, so wie im Himmel auch auf der Erde. Unseren Laib (Brot), den täglichen, gib uns heute. Auch vergib uns, (für den Fall) daß wir Schuldner seien, so wie auch wir vergeben unseren Schuldnern. Und bringe uns nicht in Versuchung, aber (er-) löse und von dem Übel. Denn dein ist das Königreich und die Macht und die Herrlichkeit in Ewig (-keit).
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Beitragvon Aelinor » 15.03.2007, 09:17

Krimgotisch (16. Jahrhundert)

Auszug aus einer Liste krimgotischer Einzelwörter (1562)

aufgezeichnet durch den flämischen Gesandten Ghislain von Busbecq anläßlich einer Reise auf die Krim



broe - brot

tag - tag

plut - blut

oeghene - augen

stul - stuhl

hus - haus

handa - hände

boga - bogen

reghen - regen

schuuester - schwester

brunna - brunnen

wintch - wind

waghen - wagen

siluir - silber

apel - apfel

goltz - gold

schieten - schiessen

schlipen - schlafen

salt - salz

singhen - singen

hoef - haupt

thurn - tür

sunne - sonne

mine - mond
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