Slawen

Was für interessante bzw. geschichtlich bedeutende Völker gibt es noch?

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Slawen

Beitragvon Aelinor » 26.01.2007, 19:47

Als Slawen wird eine Gruppe von Völkern mit ähnlicher Sprache, Abstammung, Kultur und Lebensgewohnheiten bezeichnet, die vor allem Ostmittel- und Osteuropa bewohnen. Sie sind neben den Germanen, Romanen und Kelten eine der Hauptgruppen der indogermanischen Sprachfamilie in Europa.



Staaten mit mehrheitlich slawischer Bevölkerung sind Russland, die Ukraine, Polen, Tschechien, Weißrussland, die Slowakei, Slowenien, Kroatien, Serbien, Montenegro, Bulgarien, Republik Mazedonien und Bosnien-Herzegowina. Große slawische Minderheiten leben in Kasachstan, Moldawien, Litauen, Estland und Lettland.



In Deutschland gibt es die slawische Minderheit der Sorben mit gewissen Sonderrechten (wie zweisprachige Ortsschilder) in der Lausitz. Im Norden Polens existiert die slawische Minderheit der Kaschuben. In Österreich gibt es eine kroatische Minderheit im Burgenland, tschechische und slowakische Minderheiten in Wien und slowenische Minderheiten in Kärnten und in der Steiermark; Kroaten und Slowenen sind durch den Artikel 7 des Österreichischen Staatsvertrags geschützt.



Sprache



Die slawischen Sprachen haben auffallend viele Merkmale mit den baltischen Sprachen gemein. Es ist jedoch umstritten, ob sich die baltischen und slawischen Sprachen aus einer gemeinsamen Protosprache ausgliederten oder ob die vorhandenen Gemeinsamkeiten erst durch die benachbarte geographische Lage und den daraus folgenden kulturellen Kontakt ergaben (siehe dazu Balto-slawische Hypothese). Außer den zahlreichen Gemeinsamkeiten mit Griechisch, Latein und den germanischen Sprachen (Mündung = norwegisch os (u:s), russisch ust'e (ustjɛ), lateinisch ostium) gibt es sogar solche mit dem Iranischen: Z.b. irn. bogu, slw. bog (d.h. Gott), irn. rai, slw. raj (d.h. Paradies) oder irn. swentu, swjatu, slw. swjet, swent (d.h. heilig).



Ursprünge und Ausbreitung



Einer Theorie zu folge kann man die Slawen um 2000-1000 v. Chr. fassen. Sie sollen am Oberlauf des Dnjestr gesiedelt haben. Historisch lassen sich die Slawen erst in der Spätantike (um 500) fassen. Unter Kaiser Justinian I. (527-565) gerieten Slawen erstmals in das Blickfeld römischer Chronisten wie Prokopios von Caesarea, Jordanes und Theophylaktos Simokates. Sie berichten von Venetern, Sklavinen und Anten (die man zusammen auch Sporen nennt) die aus den Gebieten zwischen Karpaten, unterer Donau und Schwarzem Meer kommend in die Donauprovinzen des Oströmischen Reiches einfielen.



Zwar erwähnen bereits Plinius der Ältere, Tacitus und Ptolemäus von Alexandria ab dem 1. Jahrhundert in unterschiedlicher Schreibweise ein Volk der Venedi, Venethi, Venadi oder Ouenedai, das östlich der Weichsel beziehungsweise an der Danziger Bucht siedelte, doch beziehen sich diese Angaben zweifellos auf die den Germanen zuzurechnenden Vandalen. Der Sammelbegriff Veneter wurde im 6. Jahrhundert offenbar auf das bis dahin unbekannte "Volk" der Slawen übertragen, obwohl keine direkten Beziehungen zwischen beiden bestanden.



Im 19. und 20. Jahrhundert wurde in oft erbitterten und zumeist nationalistisch gefärbten Debatten eine "Urheimat" der Slawen gesucht, da man sich "Völker" nur als homogene Einheiten vorstellen konnte. Inzwischen wurde jedoch erkannt, dass die verschiedenen historischen Disziplinen wie Archäologie, Historiographie und Sprachwissenschaft eigene, spezifische Quellen und Aussagemöglichkeiten besitzen, die sich nicht ohne weiteres zu einem Gesamtbild zusammenfügen lassen. Sie alle haben jedoch große methodische Schwierigkeiten, mit Hilfe ihrer Quellen der Ethnogenese näherzukommen. Offensichtlich folgt die Suche nach der slawischen "Urheimat" einer falsch gestellten Frage.



Erst mit ihrer Erwähnung in den oströmischen Quellen werden die Slawen als historische Größe greifbar, wobei diese Großgruppe nicht unbedingt auch als ethnisch homogene Gruppierung aufgetreten sein muss. Neu entstandene Großverbände waren wahrscheinlich fragil und polyethnisch, das heißt sie setzten sich aus Personen und Gruppen unterschiedlicher Herkunft zusammen, die allein durch den Glauben an eine gemeinsame Ideologie und Kultur sowie eine gemeinsame Abstammung zusammengehalten wurden, sich aber nicht zwangsläufig tatsächlich auch auf eine gemeinsame Kultur und gemeinsame Sprache begründen mussten. Ethnogenese ist ein historischer Prozess, an dessen Ende das historisch bekannte Volk der Slawen stand. Für die Bildung der slawischen Sprache (Topogenese) konnte ein Gebiet zwischen mittlerer Weichsel beziehungsweise Bug und mittlerem Dnepr herausgearbeitet werden. Doch nicht allein Wanderungen der Träger dieser Sprache, sondern auch die Assimilation von Menschen verschiedener Herkunft führte zu der "Slawisierung" Ostmittel- und Osteuropas. Ein einheitliches ("proto-")slawisches "Urvolk" hat es, wie bei allen Völkern, sicherlich nicht gegeben. Manche Forscher glauben, bei den Slawen habe es sich einfach um ein Konglomerat jener Menschen gehandelt, die an den Zügen der Völkerwanderung zunächst nicht teilgenommen hatten.



In den folgenden Jahrhunderten besiedelten die Slawen auf diese Weise allmählich weite Gebiete Mitteleuropas- und Osteuropas, die vom Schwarzen und Ägäischen Meer bis zur Ostsee und dem Ilmensee sowie von der Elbe, Saale, dem Böhmerwald, dem Inn, den Alpen und dem Mittelmeer - Adria bis zum oberen Don und unteren Dnepr erstreckten.



Ausbreitung der heutigen Westslawen



Gegen Ende des 5. Jahrhunderts wurde der mittlere Donauraum (die heutige Slowakei, Ungarn, wohl auch das heutige Südmähren) und in der zweiten Hälfte des 6. Jahrhunderts auch Böhmen besiedelt. Gleichzeitig begannen die Slawen nach dem Abzug der Langobarden, sich von der Donau aus über Pannonien, Noricum und Karnien auszubreiten und siedelten sich allmählich in dem Gebiet des heutigen Oberösterreich, Niederösterreich, der Steiermark, Kärnten, Krain und Tirol an. Um 600 und im Verlauf des 7. Jahrhunderts dehnte sich das slawische Siedlungsgebiet bis an Elbe und Saale aus, weiter südlich in die Flussgebiete von Main (bis Ochsenfurt) und Naab. Vom heutigen Polen nur der äußerste Nordosten nicht slawisch. Da wohnten die baltischen Pruzzen. .



Die südlichen Westslawen bildeten um 623, als Reaktion auf die Besetzung Pannoniens durch die Awaren in den 60er-Jahren des 6. Jahrhunderts, das Reich des Samo mit vermutetem Mittelpunkt im südlichen March-Raum.



Danach existierten gegen Ende des 8. Jahrhunderts das Mährische Fürstentum im südlichen March-Gebiet sowie das Nitraer Fürstentum (Neutraer Fürstentum) in der heutigen Slowakei, durch deren Vereinigung 833 das Großmährische Reich entstand, das dann schnell expandierte. Hauptstadt war Nitra(Neutra) in der heutigen Slowakei. Schriftsprache war das kyrillisch geschriebene Altkirchenslawisch. 909 zerfiel das mährisch Reich unter der Invasion der nomadischen Stämmen der Ungarn (Magyaren) zerstört wurde. Die Bewohner des zentralen Groß-Mähren werden in slawischen Texten als slověne (slovjɛnɛ), das heißt Slawen, oder als „mährische Völker“ bezeichnet. Als slověne wurden damals auch die Slawen im heutigen Ungarn, Slowenien und Slawonien bezeichnet. Noch heute ist die begriffliche Abgrenzung nicht scharf: Slovenka bedeutet auf Slowenisch "Slowenin", auf Slowakisch "Slowakin". Slovenski ("slowenisch" auf Slowenisch) und slovenskí ("slowakisch" auf Slowakisch) unterscheiden sich nur durch den slowakischen Dehnungsakzent.



Nach dem Ende des mährischen Reiches traten neue Machtzentren hervor, aus denen sich heutige Staaten entwickelt haben, das Reich der Přemysliden in Böhmen, Grundlage des heutigen Tschechien, und das der Piasten in Polen (*). Die heutige Slowakei kam Stück für Stück (großenteils bis 1100) unter die Herrschaft der Magyaren und war jahrhundertelang der Norden des Königreichs Ungarn.



(*) Großpolen (Wielkopolska) ist kein versunkenes Imperium, sondern eine von mehreren Landschaften Polens: Es ist die Gegend um Poznań (Posen) im Gegensatz zu Małopoplska (Kleinpolen), der Gegend um Kraków (Krakau)



Nördliche Westslawen: Im Verlaufe des 7. Jahrhunderts drangen westslawische Gruppen allmählich entlang der Elbe bis zur Mündung der Saale in von den Germanen teilweise verlassene Gebiete vor. Die sich hier ansiedelnden Slawen bezeichneten sich selbst als Sorben.



Ab dem Ende des 7. Jahrhunderts und im Verlauf des 8. Jahrhunderts wurden auch die übrigen Gebiete in Ostdeutschland besiedelt. Hier bildeten sich mehrere Stammesverbände heraus, von denen insbesondere die Milzener und Lusitzer in der Lausitz, die Heveller an der Havel im heutigen Brandenburg und die Wilzen/Liutizen und Obodriten in Mecklenburg-Vorpommern zu nennen sind. Noch weiter westlich siedelten die Wagrier (Waigri) im östlichen Holstein (bis zur Schwentine) und die Drewaner im Lüneburgischen. Die slawischen Verbände in Nordostdeutschland werden von der Forschung unter dem Begriff Polaben oder Elbslawen zusammengefasst.



Der westlichste bekannte Fürstensitz war das wagrische Aldinburg (slaw. Starigard) an der Ostsee, das heutige Oldenburg in Holstein (heute noch große sichtbare Wallanlage und Wall-Museum), zugleich wichtiger Handelsplatz für den Ostseehandel mit Beziehung zum sächsischen Hamburg und zur wikingischen Siedlung Haithabu. Die nachbarschaftlichen Beziehungen im Norden Deutschlands waren nicht immer friedlich. So gab es im 9. und 10. Jahrhundert mehrfach Überfälle auf Hamburg, 1066 wurde Haithabu von den Slawen geplündert, im 11. Jh. die slawische Handelsstadt Vineta von einem katholischen Heer vernichtet.[1]



Unter Kaiser Otto I. begann die Christianisierung der Nordwestslawen über die Erzbistümer Hamburg und Magdeburg. Bistümer entstanden in Oldenburg, Merseburg, Meißen, Zeitz (1028 verlegt nach Naumburg (Saale)), Brandenburg und Havelberg.



Nachdem Rethra als religiöses Zentrum der nördlichen Westslawen im Winter 1068/69 zerstört wurde, übernahm die Tempelburg am Kap Arkona auf der Insel Rügen dessen Rang, bis auch dieses letzte bedeutende Heiligtum im Jahre 1168 durch die mit Heinrich dem Löwen verbündeten christlichen Dänen unter Waldemar I. zerstört wurde.



Im Mittelalter zogen sehr viele Deutsche in diese nach zwei kriegerischen Jahrhunderten (Slawenaufstand, Wendenkreuzzug) nur noch dünn besiedelten Gebiete und die Slawen gingen in den Deutschen auf. Obwohl hierdurch die slawische Sprache in diesen Gebieten am Ende des 16. Jahrhunderts außer in der Lausitz ausstarb, haben sich viele slawische Orts- und Familiennamen bis heute erhalten, wobei manche der "slawischen" Orts-, Flur- und Gewässernamen wiederum aus älteren germanischen Bezeichnungen entstanden ist.



Im heutigen Polen lebten mehrere Stämme. Das Land zu beiden Seiten der Weichsel bis etwa an die Oder hin bewohnte der Stamm der Polanen (Feldbewohner) bzw. Lechen, die im 10. Jahrhundert den Kern des entstehenden Staates Polen bildeten und sich mit den Masowiern und anderen kleineren Stämmen zusammenschlossen. Hauptstadt des durch den Fürsten Mieszko I gegründeten Staates war Gnesen.



Ausbreitung der heutigen Ostslawen



Parallel zur Ausbreitung in südliche und westliche Richtung erfolgte eine Ausweitung des Siedlungsgebietes nach Norden in finno-ugrisches und baltisches Gebiet. Im osteuropäischen Tiefland waren schließlich zahlreiche kleinere slawische Stämme ansässig, wie zum Beispiel:



* Dregowitschen (Дреговичи) - im Zentrum des heutigen Weißrussland

* Drewljanen (Древляне) - entlang des Prypjat (Iskorosten)

* Kriwitschen (Кривичи) - rund um Smolensk und Pskow

* Poljanen (Поляне) - rund um Kiew am rechten Ufer des Dnjepr

* Sewerjanen (Северяне) - rund um Tschernigow

* Slowenen (Словене) - zwischen Ilmensee und Ladogasee (Nowgorod)

* Tiwerzen (Тиверцы) oder Ulitschen (Уличи) - entlang des Dnister

* Weiße Kroaten (Белые Хорваты) - im heutigen Galizien (Ukraine)

* Wjatitschen (Вятичи) - entlang der Oka

* Wolhyner (Волыняне) - im heutigen Wolhynien, auch Duleben (Дулебы) genannt.



Unter Einfluss wikingischer (skandinavischer) Händler, Siedler und Söldner entstand in der heutigen Ukraine, in Weißrussland und in Westrussland gegen Ende des 9. Jahrhunderts das erste ostslawische Reich, die Kiewer Rus. Im Spätmittelalter spalteten sich die Ostslawen in Weißrussen, Ukrainer und Russen auf, letztere breiteten sich seit dem späten 16. Jahrhundert und verstärkt im 19. und 20. Jahrhundert (entlang der Transsibirischen Eisenbahn) bis zum Pazifik aus.



Ausbreitung der heutigen Südslawen



In der ausgehenden Spätantike, im 6. Jahrhundert, rückten die Slawen über die untere (im 5. Jahrhundert von den Westgoten verlassene) Donau nach Moesien, Thrakien, Makedonien und bis zur Peloponnes vor. Der Kirchenhistoriker Johannes von Ephesos berichtet von einer großen slawischen Invasion seit 581, die erstmals eine dauerhafte Niederlassung zum Ziel gehabt habe. Tatsächlich begannen sich bald darauf die Slawen auf dem Balkan anzusiedeln, was jedoch durch die Balkanfeldzüge des Maurikios beinahe zur Episode wurde. Im 7. Jahrhundert vollzog sich der größte Teil der Landnahme der Slawen auf dem Balkan (siehe Sklavinien), was jedoch nicht zur völligen Beseitigung der ursprünglichen Bevölkerung führte. Die genauen Prozesse der slawischen "Landnahme" sind hierbei Gegenstand angeregter wissenschaftlicher Diskussionen, in die auch politische und nationale Motive einfließen. Als Beispiel sei hier nur die überholte These von Fallmerayer genannt, wonach es sich bei dem modernen Griechen ausschließlich um hellenisierte Slawen handele.



In der ersten Hälfte des 7. Jahrhunderts drangen offenbar die Kroaten und Serben aus ihren hinterkarpatischen Ländern sowie serbische Stämme aus dem Gebiet des heutigen Ostdeutschlands, Böhmens und Tschechiens, dem sog. Weißserbien, über die Donau und siedelten sich nach Vertreibung der Awaren Slawen in Pannonien, in Dalmatien und im übrigen Illyricum an.



In der 2. Hälfte des 7. Jahrhunderts kam ein Teil der Protobulgaren auf der östlichen Balkan-Halbinsel an und gründete dort 681 das Bulgarische Reich, wobei sich das asiatische Reitervolk sehr schnell mit der ursprünglichen slawischen Bevölkerung vermischte und das heutige slawische Volk der Bulgaren bildete. Mit dem Ende des 7. Jahrhunderts wurden die großen westlichen und südlichen Wanderungen der Slawen abgeschlossen. Nahe mit den Serben und den Bulgaren sind die Slawische Mazedonier verwandt. Den Serben und den Kroaten stehen ethnisch auch die Montenegriner und die Bosniaken nahe.



Name



Als geschichtliches Volk erscheinen die Slawen zuerst unter dem Namen der Serben (Sporen) und der Veneter, sie waren unter diesem Namen bis ins 5. Jahrhundert in den Ländern zwischen Ostsee und dem Schwarzen Meer ansässig, zwischen den Karpaten und dem Don, an der oberen Wolga bis nach Nowgorod und von da bis zur Scheide der Weichsel und der Oder. Etwa mit dem 6. Jahrhundert treten die Namen Anten (für die Ostslawen) und (für manche Westslawen) Slovieni (siehe oben unter Ausbreitung der heutigen Westslawen) auf. Beide erhielten sich aber als Bezeichnung der Gesamtheit nicht lange, und der Name Serben verengte sich bis zur Benennung einzelner slawischer Stämme. Aus der Bezeichnung Veneter aber wurde Wenden, die Bezeichnung der Slawen bei den Deutschen (für die heutigen Sorben). Die Bezeichnung Slawen ist zumindest seit dem frühen Mittelalter üblich, Adam von Bremen bezeichnet sie in seiner Chronik des Erzbistums Hamburg als Sclavi.



Neben anderen Slawisten schreibt auch der sorbische Gelehrte Heinz Schuster-Šewc in seiner Abhandlung über die Geschichte und Geographie des ethnischen Namens Sorb/Serb/Sarb/Srb, wonach sich der serbische Name aus dem altslawischen surbh, sirbh, serbh ableiten soll, das begrifflich für säugen, schlürfen, trinken, fließen stand. Ähnlichkeiten finden sich heute im Deutschen in schlürfen oder sürfen, im Englischen in surf für Brandung oder im Lateinischen in sorbeo, ebenfalls für säugen, trinken und fließen. Die semantische Entwicklung fand sich dann weiter in Srb für Brüder und Schwestern nach der Muttermilch, also die von der gleichen Mutter gesäugt wurden, ohne unbedingt blutsverwandt gewesen zu sein. Daraus folgte die Bezeichnung für Angehörige einer gleichen Familie oder Sippe und später für Angehörige eines gleichen Stammes. Andere wollen den serbischen Namen mit den antiken Sarmaten in Verbindung bringen. Der tschechisch-slowakische Slawist Pavol Jozef Šafárik (1795-1861) wie auch Gottfried Wilhelm von Leibniz (1646-1716) vertraten die Meinung, wonach Srb ursprünglich der Eigenname aller Slawen gewesen sei. Jedenfalls, mit dem historischen Auftreten sowohl der Serben wie auch der Sorben im 7. Jahrhundert stand der serbisch-sorbische Name für Stammesangehörige, Verwandte, Verbündete (M. Budimir, Über die alte Erwähnung des serbischen Namens, 1959).



Die Bedeutung der in den byzantinischen Quellen genannten Begriffe der Veneter, Sklavinen, Sporen und Anten sind umstritten, doch dürfte es sich weniger um ethnische als vielmehr um politische oder geographische Bezeichnungen handeln. Lediglich der Name der Slawen (sklabenoi, sklaboi) stellt in heutiger Zeit eine Selbstbezeichnung dar. Die ebenfalls gebrauchten Namen der Wenden/Veneter und Anten sind dagegen ursprünglich von Germanen beziehungsweise Awaren für die Slawen verwendete Bezeichnungen.



Ihr Ursprung des Slawennamens ist in der sprachwissenschaftlichen Forschung noch ungeklärt. Im Allgemeinen wird angenommen, dass sie vom gemeinslawischen *слŏвŏ (heute slóvo) 'Wort' abgeleitet werden, womit sie sich die Sprechenden oder Beredten selbst von den 'Stummen' (némec) abgrenzten, wobei das Wort Némec sich zur Bezeichnung für die Deutschen entwickelt hat.



Dass die Bezeichnung vom mit dem obigen slóvo verwandten *слāвā (heute sláva) 'Ruhm' stammt, ist dagegen unwahrscheinlich. Nach neueren Forschungen, die sich allerdings nicht auf breiter Front durchsetzen konnten, könnte sich der Name vom alten slawischen Stamm slo / sla 'Wasser' ableiten. Anderen Ansichten zufolge handelt es sich bei der ursprüngliche Form "slovene" um eine patronymische Bildung für die "Leute des Slov".



Lebensweise und Traditionen



Die Familienverfassung war eine patriarchalische. Die Einwohner eines Ortes bildeten eine durch Blutsverwandtschaft verknüpfte Sippe (obschtina, rod), deren Mitglieder einen gemeinsamen Namen trugen, gemeinschaftliches Gut besaßen und unter einem gewählten Ältesten standen. Aus mehreren solcher Sippen bildete sich der Stamm (pleme), an dessen Spitze das Stammesoberhaupt, der Anführer im Krieg, stand. Die Stämme ihrerseits vereinigten sich wieder zu einem größeren Ganzen, zu Einzelvölkern (narod).



Die Ehe wurde heilig gehalten, es herrschte ursprünglich Monogamie. Noch vor der Abtrennung in einzelne Zweige hatten die Slawen durch uraltes Herkommen befestigte Rechtsnormen (pravo, zakon), der Begriff "erben" fehlte jedoch, da die Familienverfassung Erbschaften ausschloss.



Kultur



Kultur- und Sittengeschichte des Gesamtvolkes: Nach den griechischen und deutschen Schriftstellern waren die alten Slawen ein friedliebendes und fleißiges Volk, fest am Althergebrachten hängend, leidenschaftlich Ackerbau und Viehzucht und auch, wie aus der Sprache und aus den archäologischen Funden hervorgeht, Handel treibend. Gerühmt wird auch ihre Gastfreundschaft. Kranke und Arme fanden sorgfältige Pflege, nur der Böse wurde ausgestoßen, und chud bedeutet in slawischer Sprache zugleich arm und böse. Vielweiberei war gestattet, wurde aber fast nur von den Vornehmen geübt.



Der Grundzug der Zivil- und Staatsverfassung war demokratisch; man kannte ursprünglich keine Stände, keine erbliche Fürstenwürde (siehe auch: Wetsche). Das Band der Sippeneinheit hielt alle umschlungen, und der Starosta (Älteste) war nur Verwalter des Gesamtvermögens der Sippe. Die Einheit der Sippe schloss die Erbfolge aus. Hierdurch unterschieden sich die Slawen wesentlich von den Germanen und Romanen. Ständeunterschiede, erbliche Fürstenmacht, Leibeigenschaft und Sklaverei bildeten sich infolge fremder Einflüsse erst später bei den Slawen aus. Die Bezeichnungen für die Fürstenmacht (knez, kral, chrabia, cjesar) und den Adel (szlachta, "Geschlecht") sind fremden Ursprungs. An der alten Sippenverfassung, Geschlechtsgenossenschaft der Hauskommunion (zadruga) wird heute noch bei den Südslawen zäh festgehalten. In Stämme, Sippen, Genossenschaften zersplittert waren die Slawen, trotz aller panslawistischen Bemühungen auch untereinander, nicht nur in der Geschichte, sondern auch bis heute meist uneinig.



Religion und Mythologie



Die Slawen werden als sehr gesangliebend geschildert. Seele und Gemüt offenbaren sich bei ihnen in anmutigen Liedern und Gesängen. Von den mythologischen Vorstellungen und der darin sich kundgebenden Weltanschauung der alten Slawen lässt sich kein deutliches und konsistentes Gesamtbild zeichnen, da eine zusammenhängende Überlieferung fehlt.



Die ursprüngliche Religion der Slawen war derjenigen anderer früher indogermanischer Völker ähnlich. In den Naturerscheinungen, besonders den Phänomenen des Himmels, sahen die Slawen wirkliche Wesen, die sie sich mit Denken und Empfinden ausgestattet vorstellten, einige wohltätig, andere zerstörend wirkend. Die ersteren wurden von den Slawen bog, die letzteren Bjes genannt, und das Christentum übernahm diese Wörter teils für Gott und Teufel.



Sie verehrten einen höchsten Gott, den Urheber des Himmels und der Erde, des Lichts und des Gewitters. Diesem waren die anderen Götter untertan. Der Name dieses Gottes war Swarog (der "Glänzende"), als Urheber des Donners heißt er Perun (balt. Perkunas). Seine Söhne waren die Sonne und das Feuer. Der Sonnengott (Daschbog, "Geber der Güter") war auch Kriegsgott, als Theomorphose der Luft erscheint Sventovit oder Svantovit (nach Miklosich nur Sanctus Vitus), als Gott des Sturms Stribog.



Oberste Gottheit der westslawischen Wenden war Radegast, der ebenfalls als Kriegsgott verehrt wurde. Als Frühlingsgöttinnen erscheinen Wesna (Frühling) und Deva(oder Diva, wunderschöne Schönheit), als Göttin der Liebe und Schönheit Lada. Unter den bösen Gottheiten steht die Repräsentantin des Winters (Moraua) obenan.



Ein eigentlicher Dualismus bestand aber nicht, und was bei einigen Schriftstellern von einem Kampf zwischen den Göttern des Lichts und der Finsternis (dem Bjelbog und Tschernebog der Nordslawen) berichtet wird, scheint bereits auf christlichen Einfluss hinzuweisen.



Als mythische Wesen niederen Grades wurden verehrt: die Vílen und Rusálka, die Herrscherinnen über Flüsse, Wälder und Berge, welche in der Volkspoesie der Slawen bis auf den heutigen Tag (1888) eine große Rolle spielen; ferner die Rojenitze oder Schicksalsgöttinnen sowie zahlreiche Haus- und Feldgeister und die finstern Mächte Baba Jaga (Hexe, altes verrücktes Weib), Bjes und Vjed, welch letzterem die Sonnen- und Mondfinsternisse zugeschrieben wurden.



Die Gunst der Götter und deren Schutz suchten die Slawen durch Gebet und Opfer zu erlangen. Letztere bestanden im Verbrennen von Rindern und Schafen auf Bergen und in Hainen, wo sich auch Götterbilder befanden. Menschenopfer kamen nur vereinzelt vor. Vollstrecker der Opfer waren die Stammesältesten. Einen Priesterstand kannten die alten Slawen ebensowenig wie besondere Tempel. Von Festen sind jene zu erwähnen, die sich an den Wechsel der Jahreszeiten anknüpfen: die Wintersonnenwende (koleda, ovsen, kratshun), der Frühlingsanfang mit Austragung des Winters und die Sommersonnenwende (kapalo, jarilo).



Mit dem leiblichen Tod hörte nach slawischer Auffassung das Leben nicht auf, vielmehr war die Seele (dusza) unsterblich. Sie gelangte ins Paradies (nav, ráj), das als schöne Wiese gedacht wurde. Die Leichen wurden entweder verbrannt oder begraben, beide Bestattungsweisen kommen nebeneinander vor. Schätzenswerte Untersuchungen über die alte Kultur und mythologische Vorstellungen der Slawen, soweit sie sich im Aberglauben, in Sagen und Märchen des Volkes erhalten haben, enthält Alexander Afanasjews Werk "Die poetischen Naturanschauungen der Slawen" (russ., Mosk. 1865-69, 3 Bde.).



Wirtschaft, Bauten



Der slawische Keramik war im 7. Jahrhundert in Mitteleuropa weit verbreitet. Die Slawen setzten kaum auf die Viehzucht, sondern auf den Getreideanbau. Auf 2/3 eines Feldmarks wurden jeweils Roggen, Weizen, Gerste, Hafer und Hirse angebaut. Das Getreide wurde mit Sicheln gemäht. Später kam auch die Sense zum Einsatz. Die Häuser wurden leicht eingetieft auf einer Fläche von 16-30 Quadratmetern gebaut.



Um 700 wurde die slawische Burgwallanlage in Spandow, dem heutigen Bezirk Spandau erstellt. Die Dörfer waren rund oder in einem Halbkreis angelegt. Im Schutze einer Burg konnte eine grössere Siedlung angelegt werden, die zu einer Stadt heranwuchs. Dort wurden spezielle Handwerkszweige entwickelt, Lebensmittel auf Vorrat gehalten, Fernhandel betrieben und kulturelle Bauten erstellt. Die Häuser wurden mit Holzpalisaden und Holzerdemauern befestigt.
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Beitragvon Aelinor » 26.01.2007, 19:51

Die folgende Liste besteht aus zwei Ebenen: dem jeweiligen Gruppennamen der Stämme und ihrem Siedlungsgebiet sowie der Liste der zugeordneten Stämme.



* Westslawen (Wenden): Tschechien, Slowakei, Polen, Deutschland, Österreich und Ungarn.

o Abodriten (von griechisch „apator“ = vaterlos, verwaist)

+ Linonen (Limonen)

+ Polaben (Drawenoslawen)

+ Wagrier

+ Warnower

o Besunzane

o Chorwaten (Lachen)

o Daleminzier (Daleminzen, Daleminzer; in Sachsen) aus Dalmatien

o Dossanen (Doxani, von illyrisch „daxi“ = Wasser)

o Drewaner (Drevani, Djerevljani (russ.), Dervani (illyr.)) aus dem Gebiet um das heutige süddalmatinische Derva

o Sprewanen

o Kaschauen

o Kujawen

o Lechen

o Liutizen/Wilzen

+ Chiziner (Kessiner)

+ Zirzipanen (Circipaner), aus dem ostmakedonischen Gebiet der Ziriopaiones

+ Heveller

+ Redarier (Redaner)

+ Tiwerzen

+ Tollensaner

+ Ukranen

o Lusitzi

o Masowier

o Masuren

o Milzener

o Mürizer

o Polanen

o Pomoranen

o Ranen

o Redarier

o Slowiener (Sloviene, Slovieni)

o Slowinzen

o Wieleten

o Wislanen

o heutige

+ Kaschuben, aus der griechischen Kassopäer

+ Polen

# Bugpolen

# Dnjestrpolen

# Goralen

# Kielcer

# Krakauer

# Kurpen

# Lowitzer

# Lubliner

# Petrikauer

# Posener

# Radomer

# Sandomierzer

# Sanpolen

# Schlesier

+ Slowaken

+ Sorben

+ Tschechen

# Mährer



* Ostslawen (Anten): Russland, Ukraine und Weißrussland.

o Dregowitschen

o Drewljanen

o Kriwitschen

o Ilmenslawen

o Poljanen

o Radimitschen

o Sewerjanen

o Tiwerzen

o Ulitschen

o Veneter

o Wjatitschen

o heutige

+ Russen (Großrussen)

+ Russinen

# Bojken

# Huzulen

# Lemken

+ Ukrainer (Kleinrussen)

# Buzany

# Podlasier

# Podolier

# Wolhynier (Duleber)

+ Weißrussen



* Südslawen (griech./latein. Sclavenoi/Sclaveni): Donau-Balkan-Raum

o Carniolensis

o Citaks

o Draguriten (Makedonien)

o Guduschtschanen (Westkroatien)

o Jeseriten (Griechisch-Makedonien, Südgriechenland)

o Karantanier (Slowenien, Südösterreich)

o Kroaten (Kroatien, Westbosnien)

o Liutizen (Südmontenegro, Nordalbanien)

o Milinizen (Griechisch-Makedonien, Südgriechenland)

o Morawier (Braničevci - Ostserbien)

o Rigchinen (Ostmakedonien, Westbulgarien)

o Sagudaten (Griechisch-Makedonien)

o Sawriner (Nordserbien, Südrumänien, Ostbulgarien, Westgriechenland)

o Serben (Westserbien, Ostbosnien, Nordmontenegro, Herzegowina)

o Smoljanen (Südbulgarien, Nordgriechenland)

o Sporen

o Strumljanen (Ostmakedonien, Westbulgarien)

o Timotschanen (Ostserbien, Westbulgarien)

o Wajuniten (Westgriechenland, Südalbanien)

o Welegesiten (Zentralgriechenland)

o Wersiten (Brsjaci - Südmakedonien)

o Wilzen (Nordkroatien, Nordserbien)

o heutige

+ Bosniaken

+ Bulgaren

# Slawische Mazedonier

# Pomaken

+ Bunjewatzen

# Kroaten

+ Kroaten

+ Montenegriner

# Serben

+ Russinen

+ Serben

+ Slowenen

# Berschaner

# Verchiner





Quelle: Wikipedia
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Slawen

Beitragvon Michael » 17.04.2010, 15:30

Gute Arbeit!!
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Russkajs Prawda

Beitragvon Michael » 17.04.2010, 15:38

Die Russkaja pravda ist das älteste ostslawische Recht- bzw.Gesetzbuch , in ihr wurden alle Arten der Rechtssprechung -

-bis auf das kirchliche Recht - vereint:

1019 erließ Jaroslaw I. dieses Gesetzbuch- die erste russische Gesetzessammlung. Sie stellt eine Mischung byzantinischer Gesetze und slawischen Gewohnheitsrechts dar.

z.B.



Wenn ein Mann einen Mann erschlägt , dann soll der

Bruder den Bruder rächen , der Vater den Sohn oder

der Vetter den Sohn oder der Schwesterbruder.

Wenn es aber niemanden gibt , ihn zu rächen ,dann soll man für den Ermordeten 800 Grivny zahlen ,

wenn es ein Mann des Fürsten oder ein Schatzmeister

des Fürsten ist.

Wenn es aber ein Russe ist oder ein Gefolgsmann oder

ein Kaufmann oder ein Schatzmeister des Boljaren

oder ein Schwertträger oder ein Heimatloser

oder ein Sklave ist , dann sind 40 Grivny für ihn zu

zahlen.



Nach Jaroslav : Seine Söhne Izjazlav, Swjatoslaw,

Wsewolod, usw. änderten das Gesetzt ab:



-Abschaffung der Tötung für Mord, vielmehr solle man

mit Marderfellen sich freikaufen .

Alles andere wurde von seinen Söhnen übernommen

wie es der Vater tat.



Bei Jaroslaw I. der die Russkaja Pravda aus dem Gewohnheitsrecht der Ostslaven schuf , war es so ,

dass es - wenn es z.B. ein Bojar,Wojewode usw. also ein

Mann des Fürsten war , eben bestimmte Personen gab die deren Tot Rächen durften.War der Mörder nicht bekannt bzw.wurde nicht geschnappt- mußte das gesamte Dorf die 800 Grivny aufbringen , also Wer-oderManngeld zahlen.Es mußte übrigens das

Dorf zahlen , auf dessen Gebiet der Kopf gefunden wurde...... .

Dies galt auch wenn es niemanden mehr gab ,die Blutrache auzuführen -also der Vater zu alt,der Bruder im Kloster oder Kränklich usw. . Hier mußte der Täter 800 Grivny berappen-konnte er das nicht, wurde er Leibeigener und mußte seine Schuld abarbeiten.



Dasselbe war bei den einfachen Bürgern-in der Russkaja

pravda Russen genannt. Gefolgsleuten des Fürsten also

z.B. Vasallendruschina , also keine höhere Druschina,

da diese ja Bojaren , also Adlige und damit Leute des

Fürsten waren (siehe oben);aber auch Heimatlosen-

also z.B. Warägern , die nicht nur zum Handeln

in die Rus kamen , und Sklaven(die keinesfalls

rechtlos waren sondern z.B. Lohn einklagen und ihren

Herrn der unbotmäßigen Brutalität bezichteten konnten)



Abgewandelt wurde das Gesetzt in der Folge , dass

die Tötung , also die Blutrache abgeschafft wurde-

vielmehr mußte mit Marderfellen die Schuld beglichen werden oder es drohte die Leibeigenschaft.

Auch die Dorfgemeinschaft mußte weiter Sühnen ,

es wurde der Mörder ausgeliefert ,statt zusammenzuhalten , ansonsten wurde die Gemeinschaft

unfrei und mußte die Schuld kollektiv abarbeiten.

Die Todesstrafe wurde aus dem Christlichen

Geboten her abgeschaft - Du sollst nicht Töten , hat auch in der Russisch-Orthodoxen Kirche bestand.

Das Wergeld entsprach also ungefähr unseren

Schmerzensgeld-nur das bei Mord uns mit Recht das

Gefängnis droht und wir uns nicht Freikaufen können.



In der ober bereits grob - angerissenen Russkaja Pravda

gab es :



- Strafrecht : Untergliederung in drei Kategorien:

1) Personenverletzungen

also Mord und Totschlag

dabei unterscheidet man :

-Tötung bei räuberischen Überfall

-Tötung im Streit oder bei Festessen

-Tötung eines Unschuldigen bei räuberischen Überfall.



In der ältesten Pravda folgte die Blutrache .In der

erweiterten Version das Wergeld.Wergeld wurde nur

bei Tötungsdelikten bezahlt -in allen anderen Fällen galt

Geldstrafe.

Mord an einem Unschuldigen bei einem räuberischen

Überfall wurde mit Verbannung bestraft.

Mord an einer Ehefrau wurde als Straftat aufgefasst ,

In diesem Fall wurde mit der selben H ärte bestraft

wie bei Männern - wurde jedoch die Frau als schudig

befunden , mußte jedoch der Täter nur die Hälfte des

Wergeldes bezahlen.



2) Körperverletzung /Ehrverletzungen:



-Schläge mit dem Schwert , ohne es herauszusiehen.

-Schläge mit der stumpfen Seite einer Stoßwaffe und mit

Trinkgefäßen.

-Schlagen eines Sklaven.

-Beschädigung des Bartes.

- Einschlagen der Zähne



All diese Straftaten wurden mit einem Bußgeld von

12 Grivna belegt .

Zudem wurde abgewogen wer den Streit angefangen habe.



3)Eigentumsdelikte:



Hart durchgegriffen wurde bei Diebstahl wichtiger

Handels/Wirtschaftswaren und Jagdtiere:

- Biber

-Honig

-Boote

-Falken /Habichte



Zum Vergleich :(erweiterte Pravda):

Mord an Sklaven : 5 Grivna , Diebstahl eines Bibers :

12 Grivna.



In allen Einzelheiten wird die wiederrechtliche

Aneignung von Haustieren - Kuh, Schafe auf Weide,

Hühnern gesetzlich verankert.

Die höchste Strafe - da der Hauptreichtum des

Bauerntums- drohte einem Pferdedieb: Verbannung.

Die gleiche Strafe erwartete einem Brandstifter,

der eine Scheune oder einem Hof anzündet.

Bei der Feststellung seiner Schuld wurde ausserdem-

nach Abzug des Schadens- sein Besitz zur Plünderung

freigegeben



Strafproßrecht:

Trotz starkem Einflußes auf die Rechtsprechnung

der Kiewer Rus seitens des Großfürsten

überlebten auch einzelne altehrwürdige

Institute im Gerichtswesen der Russkaja Pravda.

Nur noch einzeln wird auf die Richter der Gemeinde

hingewiesen. Das Gemeindegericht der Russkaja Pravda

setzt sich aus 12 Volksrichtern - die Ältesten

einer Gemeinde , die der geltenden Gewohnheits-

rechte kundig waren , zusammen.

Ein weiteres Relikt stellt den Einfluß einer

Gemeinde auf das Leben der Ostslaven dar:

In vielen Fällen haftete die Gemeinde für Delikte

ihrer Mitglieder , so bezahlte sie - wie oben erwähnt -

bei Morddelikten das Wergeld.

Bei Verdachtsklgen , Tötung und Diebstahlsdelikten

wurde ein Gottesgericht abgehalten .

Als Gottesgerichte galten: feuriges Eisen und

Wasserproben.

Das Prozeßverfahren der Pravda ist nach dem "Parteien-

prinzip" organisiert:

Bei fehlenden Indizien mußte der Kläger selbst die

Beweise mit Hilfe von Zeugen dem Gericht vorführen.

Dabei wurden zwei Arten von Zeugen unterschieden:

-Augenzeugen und Ohrenzeugen.

In vielen Fällen wurden Ohrenzeugen (Anzahl ungewiß)

zitiert . Bei Körperverletzungen verlangt das Gericht

allerdings nach zwei Augenzeugen.Während Einheimische

zwei Zeugen benennen mußten , reichte bei Ausländern

ein Zeuge.

Vor allem bei Diebstahl wird das Dritthandverfahren erwähnt.

Der Kerngedanke dieses Ermittlungsverfahren

ist , daß der Kläger bzw. der geschädigte Eigentümer

einer Sache bis zum dritten Besitzer einer Sache gehen

darf um an seine Eigentumsrechte zu gelangen.

Der dritte Besitzer muß für die Kosten aufkommen.



Zivilrecht:

Das Zivilrecht der Erweiterten Pravda bezieht sich vor allem auf die Regelung des Schuldrechts , daß auf die Gesetzgebung Vladimirs Monomachs über die Kreditzinsen zurückgeht( zur Eingrenzung der

Wucherei in der Rus erließ Vladimir Monomach dieses

Gesetz) .

Gemäß diesem Gesetzes beläuft sich der Zinssatz

bei Jahreskrediten auf ein Drittel der geliehenen Summe.

Kreditverträge durften laut Gesetz nur im Beisein

von Zeugen abgeschlossen werden .

Konnte der Kreditnehmer seine Schuld nicht mehr begleichen , wurde er zum Schuldknecht .

Schuldknechte befinden sich zwar in persönlicher

Abhängigkeit, bleiben aber nach dem Gesetzte

freie Bürger und sind demnach keine Sklaven!

Ohne Grund durfte ein Schuldknecht von seinem

Herrn nicht gezüchtigt werden.

Wenn es doch dazu kommt , drohte dem Herrn eine

Geldstrafe wie im Fall eines freien Mannes.

Es wurde zwischen zwei Kategorien von Schuldknechten

unterschieden : den bäuerlichen und den aus einem

Kreditverhältniss gewordenen Schuldknecht.

In zwei Fällen konnte ein Schuldknecht seinem

Status als freier Mann verlieren : Wenn er seinem Herrn

bestohlen hatte und zum anderen wenn er vor seinem

Gläubiger geflüchtet war.



Erbrecht:

Das Erbrecht basierte auf ostslavisches Gewohnheits-

recht , doch sind Entlehnungen aus dem byzantinischen

Recht unverkennbar.

Stirbt ein Bauer ging das Erbe prinzipiell an denFürsten.

Falls unverheiratete Töchter aber zurückblieben , bekommt diese einem Teil vom Erbe.Unabhängig vom

Genus und Familienstand erben die Kinder der Bojaren

und der fürstlichen Gefolgsmänner.Auch die Witwe

eines Bojaren hat Anrecht auf das Erbteil das ihr Mann

für sie forgesehen hat.

Die Schwester des Bojaren bekam jedoch nichts.

Es gehörte zur Aufgabe der Brüder,ihre Schwester möglichst gut zu verheiraten

Die Pravda kannte das schriftliche und das mündliche

Testament .Das Testament wurde jedoch nur in Angelegenheiten der Priviligierten erwähnt.



Desweiteren wurde in der erweiterten Version

der Russkaja Pravda das Handelsrecht erwähnt.
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Slawische Gottheiten

Beitragvon Michael » 17.04.2010, 15:42

Zunächst sei erklärt dass alle schriftlichen Aufzeichnungen

aus nach-heidnischer Zeit von z.B. Mönchen

(z.B. Nestorchronik)niedergeschrieben wurden ,auch archäologische Funde

sind sehr selten...



Perun : Donnergott, Gewittergott, und

Veles, Wolos oder Weles (Gott des Reichtums und des Viehs, Beschützer der Toten) sind die Hauptgötter der Slawen...



weiterhin sind bekannt :



Svarog/Swarog :Feuergott, Gott des Lichtes, Himmelsschmied, gilt als Schöpfer und oberste Gottheit

bis er seine Macht auf seine Söhne übertrug:

Dazbog oder Dashbog : ostslawischer Gott der Sonne ; Sohn des Svarog

und:

Swarosits (Sohn des Svarog) , Feuergott



Die Wissenschaft geht davon aus , dass Swarog,Swarosits

und Dashbog die einzigen Götter waren , die von allen

Slawischen Volksgruppen verehrt wurden.



Stribog:wahrscheinlich Windgott

seine Enkel sind die Winde. Ebenfalls Ostslawisch.

Chors:Mondgott



Mokosch : Mutter Erde, gilt als Relikt eines Kults einer Fruchtbarkeitsgöttin sein. Sie hatte Macht über lebensspendendes Wasser.Auch Göttin der Frauenarbeit.

Spätere Generationen kennen sie als "Feuchte Mutter Erde" - russ.: mat syra semlja.



Swantewit (Starker Herr):

Von den Ostseeslawen ist bekannt , daß die

Götter Swantewit und Triglaw in Arkona /Insel Rügen

ein großes Heiligtum hatten, daß aber im Jahre

1168 von den Dänen zerstört wurde.

Swantewit hatte vier Köpfe , in seiner rechten Hand hatte er ein Trinkhorn aus Edelmetall (wurde zur Weissagung durch die Priester benutzt) . Sein linker Arm war angewickelt ein Stück unter den Rechten vor dem Bauch . Neben ihn lagen Saumzeug , und ein schönes , prächtiges Schwert dass viele Verzierungen hatte.



Er war auch Gott der Fruchtbarkeit und Beschützer der Ernte .Ebenfalls ein Kriegsgott.

War wahrscheinlich der Oberste Gott der Rügen-Slawen.



Porewit : Slawische Gottheit auf Rügen , stand mit den mittsommerlichen Riten in Verbindung - weiteres Unbekannt.



Porenut : Auch Gottheit auf Rügen . Sein Tempel wurde ebenfalls von den Dänen 1168 zerstört.



Rujewit :

Eine Gottheit die ebenfalls von den Rügenslawen angebetet wurde. Hatte auf Rügen einen großen Tempel stehen , nämlich in Garz.

Seine Statue hatte sieben Gesichter , und trug sieben Schwerter am Gürtel - ein achtes war in seiner Hand.



Swaixtix -Gott des Lichtes



Tschernebog: Slaw. oberster Gott der Finsterniss

auch "Schwarzer Gott " genannt.Wurde von den Ostseeslawen verehrt.



Belobog: Auch ein Gott der Ostseeslawen.

Oberster Gott des Lichts.Könnte mit Tschernobog im ständigen Kampf gelegen haben -wie Satan und Gott bei den Christen.Unsichere Beweislage.

Belun (Weißrussische Gestalt , kommt in zahlreichen Legenden vor) könnte aber dennoch ein Abkömmling des mysteriösen Weißen Gottes sein.

Belun war ein gebrechlicher alter Mann mit langen ,mit langen weißen Bart , der ein fließendes , langes Gewand trägt und einen langen Stab bei sich trug.

Er ließ sich nur bei Tageslicht sehen.



Zar Santanail : finsterer , böser Erdgeist bzw. Herr der Finsternis in Russischen Mythen.



Jarowit :Gott der Rügenslawen, hatte in seinen Tempel einen großen , goldenen Schild - der im Kriegsfall zusammen mit den Heeresbannern herausgetragen wurde.



Zewana: Slaw. Jagdgöttin



Zosin : Slaw. Bienengott



Zemargla: Slaw. Wintergöttin



Led: russ Kriegsgott



Lada : Slaw. Göttin der Liebe und Schönheit



Krasopani: Slaw. Liebesgöttin



Nijam : Pol. Totengott



Prowe: Slaw. Gott der Gerechtigkeit



Wollos : Russischer Schwurgott , Gott des Viehs und des Handelns.



Nur in der Kiewer Rus und an der Ostseeküste hatten die frühen Slawen einen vollständigen Götter-Pantheon

ihrer (heidnischen) Götter , also genau dort wo sie in engeren Kontakt mit Skandinaviern kamen.

Bei den Ostslawen zeigt dies besonders der Perun-Kult , der beeinflußt sein könnte , so die Wissenschaft vom Thor-Kult.





Geister und Dämonen des Hauses und des Hofes:



Bannik :Zwerg bzw. Geist des Badehauses. Galt als mörderischer Geist , diejenigen die er allein im Badehaus vorfand, entweder erstickte oder verbrühte oder ihnen

bei lebendigen Leibe die Haut abzog.



Es wurde für den Geist immer ein wenig Wasser zurückgelassen. Auch als man zum Christentum bekehrt war , fürchtete man den Bannik noch : Kreuze wurden vor dem betreten des Badehauses abgelegt um Bannik nicht zu verärgern.



Owinnik: gefährlichster aller Hausgeister. Wächter der Schäune. Er er ein großes , schwarzes , katzenartiges Wesen, dass wie ein Hund bellte und dessen Augen wie glimmende Holzkohle funkelte.

Es gibt sehr viele Mythen über ihn , Feuer bildete dabei den Kern seiner Bösartigkeit.

Z.B.: Die Geschichte der Frau die bei lebendigem Leib in der Scheune verbrannte weil sie gegen das Verbot verstoßen hatte und an einen Feiertag Flachs geschlagen hatte usw.



Domowoj (Litauen: kaukas, Polen und Galizien:

iskrzycki)

Launischer und mürrischer Hausgeist , der um jeden Preis gnädig gestimmt werden mußte.

Er lebte bevorzugt hinter / im Ofen des Hauses.

(Apropos Ofen :In Teilen Russland war es bis ins 19. Jahrhundert eine Tradition auf keinen Fall mit dem Schürhaken herumgestochert werden dürfe , Schwelende Stücke könnten abbrechen , in die Glut poltern und die Seelen der Ahnen der Familie mit hineinreißen , so daß sie auf ewig in die Hölle stürzen.)



Er hatte umfaßende Macht im Haus und Hof.

Geopfert wurde je nach Vorliebe des domowoj:

Brot und Salz - andere domowoj wollten hingegen

Tabak, oder Weihrauch.Bestimmte Tiere mochte er besonders gern : Pferde, Katzen und Hunde z.B. .

Diese wurden möglichst in der Lieblingsfarbe des

Hausgeistes besorgt. Manche Tiere , die er nicht mochte Ärgerte er hingegen , schüttete ihR Essen aus -usw. .

Der domowoj wurde von allen slawischen Völkern verehrt. Man sprach von ihm auch als "Meister " und "Gönner" oder "Grossväterchen" : ein gut gestimmter domowoj beschützte nämlich das Haus in dem er Wohnte .

Allzu neugierige bestrafte er aber.

Wer ihn aus Versehen sah bzw. überrachte , mußte mit dem Schlimmsten rechnen.



Vom Aussehen her war er von zwergenhafter Gestalt , zottelig , alt . In mancher Darstellung des domowoj wurde er Unterstützt durch seine Frau, der

domicha ,Sie lebte unter dem Fußboden.



Auch kleine Kinder soll man weinen hören...



Dworowoj : ein sehr unfreundlicher Gesell im Hof .

Neugeborene Kälber und Lämmer wurden ins Haus gebracht um sie seinen räuberischen Blick zu entziehen.

Er war alles andere als harmlos- verliebte er sich in ein Mädchen z.B. flocht er jede Nacht ihre Haare. Als sie aber Heiraten wollte und kurz vor der Hochzeit stand, erstickte sie der Geist aus Eifersiucht (so erzählen die Legenden).



JariloDyj oder Dij (Diw)



Funktion: Donnergott



Westslawen



Jarilo

Gott der erwachenden Natur, der Fruchtbarkeit und der sexuellen Kraft. Stand ferner auch für Krieg und Ernte.



Attribute

Speer, Blitz, Sonnenschild



Darstellung

Als junger, schöner, (nackter) Mann auf einem weißen Pferd.



West- und Südslawen



Lada

Göttin des Frühlings, der Saat; Schutzpatronin der Ehe und der Liebe.



Die Existenz der Göttin wird nur indirekt aus Liedern (Refrains) abgeleitet, in denen sie auch nicht explizit erwähnt wird. In Fachkreisen wird sie nicht als eine slawische Gottheit anerkannt.

West- und Ostslawen



Lelja

Frühlingsgöttin, Tochter der Göttin der Liebe und



Fruchtbarkeit



Darstellung



Als ein junges, schönes Mädchen.



Es gibt keine direkten Überlieferungen über die Existenz von Lelja und Lada in der slawischen Mythologie. Die Präsenz der beiden Göttinen im alten Glauben wird nur aus Frühlingsfesten und Liedern abgeleitet.



Morena od.

Morana, Marschana, Marzyana, Marzana, Marzanna



Göttin des Winters und der Dunkelheit, ferner Göttin des Todes



Darstellung



je nach Region unterschiedlich. Als Geist, als eine schöne Frau oder als eine alte bucklige Hexe.



Bemerkungen



Nach der Christianisierung slawischer Völker verkam Morena zu einem Wintergeist. Bis heute wird in Polen eine Puppe am Ende des Winters verbrannt oder ertränkt, um die Wintergeister auszutreiben.



West- und Ostslawen





Pereplut



Gott der Erde und des Ackers (nach anderen Quellen Meeresgott)



Westslawen



Porewit



Waldgott

Nach der Christianisierung slawischer Völker wurde Porewit mit Satan identifiziert.



Westslawen (Wenden)





Schiwa



Göttin des Lebens und der Fruchtbarkeit



Darstellung



Als eine nackte Frau mit Früchten in den Händen



Westslawen (Polaben)





Rod

Angeblich einer der ersten Götter in der slawischen Mythologie, der Erschaffer des Universums, Götervater. Allerdings existieren in den Überlieferungen kaum reale Hinweise auf seine Existenz in der Religion der Slawen.



Manche Forscher setzen Rod mit dem christlichen Gott gleich.



Bei allen Slawen





Roschanitzy



Das Verb roschat (russ. >60BL) bedeutet "gebären". Meistens wurden Roschanitzy an Seite des Gottvaters Rod erwähnt.



Darstellung



Als eine gebärende Frau oder in Form einer Elchkuh mit Geweih auf dem Kopf.



Russland



Trojan



Trojan wird nur im Igorlied erwähnt. Es ist unbekannt, um welche Gottheit - falls überhaupt -, es sich handelt. Manche Historiker sehen Parallelen zu dem römischen Kaiser Trajan, der in Dakien Eroberungskriege führte und so den Urslawen möglicherweise bekannt war.
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Birkenrinde-Schriftstücke der Vergangehneit.

Beitragvon Michael » 17.04.2010, 15:47

In Nowgorod holen seit 1951 Archäologen spektakulärste Fundstücke aus dem Boden. Dank eines moorig-wässrigen Erdreich mit Lehm-untergrund sind die Konservierungsbedingngen so gut wie selten.

Die ältesten Birkenrindendokumente stammen aus dem 11. Jhd., die jüngsten aus dem 15. Jhd.

Ursprünglich waren sie aufgerollt und wurden auch so verschickt. Zum Lesen mussten sie dann entrollt werden. Um die Streifen elastisch zu machen, kochte man sie in Lauge und befreite sie aussen von der groben Rinde und innen vom feinen Bast. Geschrieben wurde dann mit einem Stift aus Knochen oder Metall, den man in die weiche Innenseite drückte. Die Schrift besteht in der Regel nur aus Einritzungen, nur ganz selten wurde Tinte verwendet. Im 15. Jahrhundert wechselten die Nowgoroder zum Schreiben auf das billigere Papier und hörten auf, die robuste Birkenrinde zu benutzen. Das neue Material hielt den Zersetzungsprozessen im feuchten Untergrund aber nicht mehr stand, und die Kurzmitteilungen verschwanden für immer im Boden.



Wachstafeln:

Man entdeckte seltsam geformte Schreibgeräte, sog. „Schreiber“: Das spitze Ende war zum Schreiben bestimmt und konnte zur Auftragung von Texten auf die Birkenrinde verwendet werden. Warum hatte aber das entgegengesetzte Ende die Spatelform?

„Schreiber“ von diesem Typ wurden für die Arbeit mit Wachstafeln (ceræ) benutzt. Wachstafeln waren in der Antike und im Mittelalter in Europa weit verbreitet, wo sie für allerlei kurzfristige Aufzeichnungen verwendet wurden: Schularbeiten, Rechnungen, Testamente, Gebete, Heilsprüche. Häufig wurden auf ihnen auch Entwürfe gemacht.

Fast bis in das späte XX. Jahrhundert glaubten die Historiker, dass die Wachstafeln in Russland keine Anwendung fanden. Jedoch widerlegten die Entdeckungen der russischer Archäologen diese Meinung. Man fand in Nowgorod, in den Schichten des XI. und XIV. Jahrhunderts immer wieder mit Wachs bedeckte Tafeln. In eine von ihnen, die am berühmtesten wurde, war das Alphabet eingeschnitzt: diese Tafel diente als Vorlage für den Schreibunterricht. Die Forscher begriffen, warum selbst Kinderbriefe auf Birkenrinde eine ziemlich feste Handschrift aufwiesen: Die jungen Nowgoroder eigneten sich die Grundsätze des Schreibens mit Hilfe dieser Wachstafeln an.





Hier möchte ich Birkenrindentexte auflisten , die Zeugniss

geben von den damaligen Menschen - ihren Geschäften ,

Sorgen , Ängsten - aber auch Freundschaft und Liebe.



1)Geschäftliches /Nowgorod/ erste Hälfte 12.Jahrhundert.



"Von Nosko an Mestjata. Der Bursche von der anderen Seeseite und Chodutinitsch aus Susdal haben letztes

Jahr (das Dach) gedeckt. Nimm 2 Griwnen für uns.



Anmekung:

Da die Anweisung auf ein Stück Bleiblättchen eingeritzt

ist , müssen die genannten Personen ein Kirchendach

mit Blei eingedeckt haben.



2)Verkauf zur unrechten Zeit/Mitte 12.Jahrhundert/



"Gruss von Demjan an D(...)(Lücke!) . Du verkaufst das

Pferd , soviel Du dafür bekommen kannst .Aber was du

dabei verlieren wirst , dessen sei Dir bewusst.

Aber von Kuseko verlange , dass er die Kunen nicht

verliert.Er ist böse!"



3) Von Kaufmann zu Kaufmann/zweite Hälfte 12tes.



"Von Kusma an Zern. Gib meinem Knecht 17Griwnen.

Aber zögere nicht, schick den Betrag hierher.Wenn du

aber noch irgenwelche Waren brauchst, dann werde

ich sie schicken. "



4) Zwischenbescheid /Wende 12/13 Jahrhundert.



"Gruß von Podwoiski an Filipp .Sei nicht ungehalten wegen der Bläulinge. Es gibt noch keine Bläulinge zu

einem für dich günstigen Preis.Ich aber grüsse Dich untertänigst"



Anmerkung:

Podwoiski könnte einen fürstlicher Dienstmann als auch

einen gerichtliches Exekutivorgan bezeichnen.

Bläuling= ein Süßwasserfisch



5) Schulden I , Drohung mit dem Gerichtsvollzieher

drittes Viertel 13.Jahrhundert/Nowgorod



"Gruss von Ljach aus Flar. Wenn du von Russil 10 Griwnen erhalten hast , sende sie mit Mikula hierher.

Wenn du sie jedoch nicht erhalten hast , dann suche sie zu bekommen , ich bitte dich , und nimm einen Gericht-

vollzieher.



6) SchuldenII :Appell an das Gewissen/erste Hälfte 14.

Jahrhundert/Nowgorod



"Der Töpfer hat zwei mal vierzig Kunen genommen,

eine Stute, 3Häute , eine Mütze , einen Schlitten , ein

Kummet .Du hast mir geschworen , aber du hast es mir

nicht zurückgegeben. Ich aber gehe zugrunde"



7)SchuldenIII: Mahnung mit Ironie: 11.Jahrhundert/

Nowgorod



"Von Schirowit an Stojan .Seit du bei mir das Kreuz

genommen hast und mir das Geld (dafür) noch nicht

geschickt hast, ist (schon) das neunte Jahr.

Wenn du mir nicht 4 1/2 Griwnen schickst , will ich dich

als den besten Nowgoroder ausrufen lassen.

Schick also im Guten ."



Schulden IV: Drohung mit Preisaufschlag /Staraja Russa

12.Jahrhundert.

"Iwans Frau sagte zu Fima:Entweder schickst du das

Geld für das Salz oder ich verkaufe teurer.."



Anmerkung:

Staraja Russa , südlich des Illmensees lebte vor allem vom

Salzhandel. Iwans Frau (oder Witwe) drohte ihrem

Schuldner mit einer Preiserhöhung, wenn er nicht sofort

zahlt"



8) Gaunereien /erste Hälfte 13 .Jahrhundert/



"Es hat endgültig Kusma gegen Sdyla und Domaschirowitz Klage erhoben. Ihr habt einen Handel

abgeschlossen ohne mich .Ich aber habe für jenes Dorf

Bürgschaft geleistet. Und ihr habt (aus dem Dorf)das

Gesinde , das Vieh , die Zuchtstute und das Korn

weckgeführt.Domaschir aber ist weckgelaufen, ohne

(das Dorf)bei Wjazezlaw aus der Schuld freizukaufen.

Da ihr den Handel gemacht habt, so(...Lücke...)

sinngemäß: erstattet mir meinen Verlust von 600 (...)

Rest abgerissen.



Anmerkung:

Kusma hat vor Wjatscheslaw für die Schulden Domaschirs gebürgt , der von Wjatscheslaw für 600 Griwnen

ein Dorf gekauft hatte.Offensichtlich hat er aber , bevor

er die Summe bezahlte , das Dorf an Sdyla weiter-

veräussert, der die Mobilien abräumte , während Domaschir sich mit dem Erlös davonmachte.



9)Sippenhaftung /Mitte 12.Jahrhunderts



"Von Sudischa an Naschir . Schadok hat zwei Gericht-

boten geschickt und sie haben mich ausgeplündert für

die Schulden des Bruders."



10) Fürsorglichkeit :Anfang 12 Jahrhundert



"(Gruss) von Gjurgjei an Vater und Mutter .Wenn ihr den

Hof verkauft habt , kommt hierher , nach Smolensk oder

Kiew.(Hier) ist das Brot billig. Wenn ihr aber nicht kommt, so schickt mir ein Brieflein , ob ihr Gesund seid.





Dies ist nur ein kleiner Auszug von den Sorgen und Nöten

der Menschen, die wohl überall und zu jeder Zeit gleich

oder ähnlich waren . Zum Glück standen sie eingeritzt

auf Birkenrinde , was meint ihr bleibt von und mit unserem Papier , Büchern oder gar E-Mails und SMS???
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(Link) DIE HEILIGEN WÄLDER DER SLAWEN....

Beitragvon Michael » 19.04.2010, 21:14

....IN POMMERN IM FRÜHEN MITTELALTER.



http://www.folklore.ee/Folklore/vol42/pommern.pdf
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Die Wenden

Beitragvon Michael » 19.04.2010, 21:19

In der sogenannten Fredegar-Chronik (http://de.wikipedia.org/wiki/Fredegar ; z.B.

bei werden für 631/32 erstmals Wenden erwähnt, die „zu wiederholten Malen in Thüringen und anderen Gauen (pagi) des Frankenreiches einfielen, um sie auszuplündern

Dänen und Sachsen kämpfen gemeinsam gegen die Wenden , das war anno 1042..

Der Wendenkreuzzug von 1147 bezeichnet den Kreuzzug sächsischer, dänischer und polnischer Fürsten ("anerkannte" christliche Slawen unter Herzog Boleslaw III. Schiefmund ,http://de.wikipedia.org/wiki/Boles%C5%82aw_III._Schiefmund) gegen die Elbslawen (Wenden) im Gebiet zwischen Elbe, Trave und Oder.



Zwei Tugenden werden den Wenden von allen deutschen Chronikenschreibern jener Epoche: Widukind, Thietmar, Adam von Bremen, zuerkannt: sie waren tapfer und gastfrei.



Ihre Tapferkeit spricht aus der ganzen Geschichte jener Epoche, und der Umstand, daß sie, trotz Fehden und steter Zersplitterung ihrer Kräfte, dennoch den Kampf gegen das übermächtige Deutschtum zwei Jahrhunderte lang fortsetzen konnten, läßt ihren Mut in allerglänzendstem Lichte erscheinen.



Sie waren ausgezeichnete Krieger, zu deren angeborener Tapferkeit sich noch andere kriegerische Gaben, wie sie den Slawen eigentümlich sind, gesellten: Raschheit, Schlauheit, Zähigkeit. Hierin sind alle deutschen Chronisten einig. Ebenso einig sind sie, wie schon hervorgehoben, in Anerkennung der wendischen Gastfreundschaft. »Um Aufnahme zu bitten, hatte der Fremde in der Regel nicht nötig; sie wurde ihm wetteifernd angeboten. Jedes Haus hatte seine Gastzimmer und immer offne Tafel. Freigebig wurde vertan, was durch Ackerbau, Fischfang, Jagd und in den größeren Städten auch wohl durch Handel und Gewerbe gewonnen worden war.



Je freigebiger der Wende war, für desto vornehmer wurde er gehalten, und für desto vornehmer hielt er sich selbst. Wurde – was übrigens äußerst selten vorkam – von diesem oder jenem ruchbar, daß er das Gastrecht versagt habe, so verfiel er allgemeiner Verachtung, und Haus und Hof durften in Brand gesteckt werden.«



Sie waren tapfer und gastfrei, aber sie waren falsch und untreu, so berichten die alten Chronisten weiter. Die alten Chronisten sind indessen ehrlich genug, hinzuzusetzen: »untreu gegen ihre Feinde«.



Es ist bekannt das die Führung von Waffen, die Sache jedes Freien war.



Ihre ihre Kleidung wird wie folgt beschrieben:



»Zur nationalen Kleidung gehörte ein kleiner Hut, ein Obergewand, Unterkleider und Schuhe oder Stiefel; barfuß gehen wurde als ein Zeichen der äußersten Armut betrachtet. Die Unterkleider konnten gewaschen werden; der Stoff, aus dem sie bestanden, war also vermutlich Leinewand. Das Oberkleid war wollen.« Über Schnitt und Kleidung und die bevorzugten Farben wird nichts gesagt, doch dürfen wir wohl annehmen, daß sich eine Vorliebe für das Bunte darin aussprach. Der kleine Hut und die leinenen Unterkleider: Rock, Weste, Beinkleid, finden sich übrigens noch bis diesen Tag bei den Spreewaldswenden vor. Nur die Frauentrachten weichen völlig davon ab.



Die wendische Religion kannte drei Arten der Anbetung:



Naturanbetung (Stein, Quelle, Baum, Hain).



Waffenanbetung (Fahne, Schild, Lanze).



Bilderanbetung (eigentlicher Götzendienst).



Die Natur war der Boden, aus dem der wendische Kultus aufwuchs; die spätere Bilderanbetung war nur Naturanbetung in anderer Gestalt. Statt Stein, Quelle, Sonne usw., die ursprünglich Gegenstand der Anbetung gewesen waren, wurden nunmehr Gestalten angebetet, die Stein, Quelle, Sonne usw. bildlich darstellten.



Die Wenden hatten in ihrer Religion einen Dualismus schwarzer und weißer Götter, einer lichten Welt auf der Erde und eines unterirdischen Reiches der Finsternis. Die Einheit lag im Jenseits, im Himmel.



An und in sich selbst unterschied der Wende Leib und Seele, doch scheint ihm die Menschenseele der Tierseele verwandt erschienen zu sein. Wenigstens glaubte er nicht an persönliche Unsterblichkeit. Die Seele saß im Blut, aber war doch wieder getrennt davon. Strömte das Blut des Sterbenden zu Boden, so flog die Seele aus dem Munde und flatterte zum Schrecken aller Vögel, nur nicht der Eule, so lange von Baum zu Baum, bis die Leiche verbrannt oder begraben war.



Die alten Chronisten haben uns die Namen von vierzehn wendischen Göttern überliefert. Unter diesen waren die folgenden fünf wohl die berühmtesten: Siwa (das Leben); Gerowit (der Frühlingssieger); Swantewit (der heilige oder helle Sieger); Radegast (die Vernunft, die geistige Kraft); Triglaw (der Dreiköpfige. Ohne bestimmte Bedeutung).



Vom Siwa haben wir keine Beschreibung. Gerowit, der Frühlingssieger, war mit kriegerischen Attributen geschmückt, mit Lanzen und Fahnen, auch mit einem großen, kunstvollen mit Goldblech beschlagenen Schild. Radegast war reich vergoldet und hatte ein mit Purpur verziertes Bett. Noch im fünfzehnten Jahrhundert hing in einem Fenster der Kirche zu Gadebusch eine aus Erz gegossene Krone, die angeblich von einem Bilde dieses Gottes herstammte. Swantewit hatte vier Köpfe, zwei nach vorn, zwei nach rückwärts gewandt, die wieder abwechselnd nach rechts und links blickten.

Bart und Haupthaar war nach Landessitte geschoren. In der rechten Hand hielt der Götze ein Horn, das mit verschiedenen Arten Metall verziert war und jährlich einmal mit Getränk angefüllt wurde; der linke Arm war bogenförmig in die Seite gesetzt; die Kleidung ein Rock, der bis an die Schienbeine reichte. Diese waren von anderem Holz als die übrige Figur und so künstlich mit den Knien verbunden, daß man nur bei genauer Betrachtung die Fugen wahrnehmen konnte. Die Füße standen auf der Erde und hatten unter dem Boden ihr Fußgestell. Das Ganze war riesenhaft, weit über menschliche Größe hinaus. Endlich Triglaw hatte drei Köpfe, die versilbert waren, Ein goldener Bund verhüllte ihm Augen und Lippen.



Diese Götter hatten überall im Lande ihre Tempel; nicht nur in Städten und Dörfern, sondern auch in unbewohnten Festen, sogenannten »Burgwällen«, und zwar auf Hügeln und Klippen, in Seen und Wäldern. Wahrscheinlich hatte jeder »Gau«, deren es im Lande zwischen Elbe und Oder etwa fünfundvierzig gab, einen Haupttempel, ähnlich wie es in späterer christlicher Zeit in jedem größeren Distrikt eine Bischofskirche, einen Dom, ein Kloster gab. Dieser Haupttempel konnte in einer Stadt sein, aber auch ebensogut in einem »Burgwall«, der dann nur den Tempel umschloß und etwa einem Berge mit einer berühmten Wallfahrtskirche entsprach. In Julin, Wolgast, Gützkow, Stettin, Malchow, Plön, Jüterbog und Brandenburg werden solche Städtetempel eigens erwähnt. Unzweifelhaft aber gab es deren an anderen Orten noch, als an den vorstehend genannten.



Die zwei Haupttempelstätten im ganzen Wendenland waren, wie mehrfach hervorgehoben, Rethra und Arkona.

Rethra und Arkona repräsentierten auch die Orakel, bei denen in den großen Landesfragen Rats geholt wurde, und ihr Ansehen war so groß, daß der Besitz dieser Tempel dem ganzen Stamme, dem sie zugehörten, ein gesteigertes Ansehen lieh; die Redarier und die Ranen nahmen eine bevorzugte Stellung ein.





Nach Rethra schicken die Wendenfürsten, ehe sie in den Kampf eilen, und sorgfältig wird hier vermittelst der Lose und des Rosses nachgeforscht, welch ein Opfer den Göttern darzubringen sei.«



Noch 1066 hatten die Wenden, nach einem siegreichen Rachezuge, den Bischof Johann von Mecklenburg nach Rethra geschleppt und dem Radegast das Haupt des Bischofs geopfert; aber dies Ereignis führte zugleich zu jener Niederlage Rethras, von der es sich nicht mehr ganz erholte. Im Winter 1067 auf 1068 erschien Bischof Burkhard von Halberstadt (http://de.wikipedia.org/wiki/Burchard_I ... alberstadt) vor Rethra, stürzte das Götzenbild um und ritt auf dem weißen Rosse des Radegast heim. Dieser wohlberechnete Hohn blieb auf die Wendenstämme nicht ohne Einfluß-so wendeten sich die Wendenstämme von dem Radegast zu Rethra, der sich schwach erwiesen hatte, ab und dem Swantewittempel in Arkona zu.









Dies wie gesagt nur mal wieder zur Auffrischung:





Bei der Ausgrabung der Burg in Hitzacker (am Ufer der Elbe , also im Wendland) ) kamen hervorragende Funde zu Tage , die z.B. auf die Hofkultur schließen lassen:

z.B. wurden reichhaltig verzierte Kämme gefunden sowie

Knochenplatten zur Herstellung dieser . Auch Schmuckteile aus Metall und Glas (z.B. eine Goldperle)

kam zum Vorschein. Auch wurden Spielsteine und Würfel sowie z.B. Sporen,Waffen ,Hufeisen u.ä. gefunden.

Die Burg war auch ein wichtiger Handelsplatz , außerdem die älteste Burg im Wendland.

(Museeum altes Zollhaus- http://www.kunst-und-kultur.de/Museumsd ... w.php/289/)



Das die slawische Wirtschaft sich hauptsächlich auf die

Landwirtschaft stütze ist klar-das war bei den Wenden nicht anders. Es ist anzunehmen das die Siedlungsformen

auf den Land aus kleine lockere Weilern bestanden.

Die Menschen lebten wie gesagt von Ackerbau und von Tierhaltung.Unter anderen wurden Gerste und Roggen angebaut. Man hielt Schafe ,Ziegen .Schweine und Rinder.

Jagd und Fischerei sind zwar belegt-spielten aber eine

Nebenrolle.



Der materiellen Zivilisation der Slawen im Wendland kann man sich nur mit Hilfe der Archäologen nähern.

Schriftliche Quellen fehlen .



Die slawischen Siedler im WEndland wurden auch als

Drewanen bezeichnet , was "Wald-Einwohner" heißt.

Das läßt sich mit den großen Waldflächen , die das Land bedeckten , erklären.



Die Funde aus dem Wendland zeugen von einem sehr

ausgeprägten traditionellen Handwerk und Gewerbe,

die Werkstätten waren spezialisiert z.B.: Metallverarbeitung, Töpferei aber auch aus dem Haushalt z.B. Textilien waren nicht nur für den Eigenbedarf bestimmt.



Nach der Machtergreifung der Deutschen im Wendland

"germanisierte" sich die wendländische Gesellschaft

recht schnell. Die Städte bekamen teilweise Deutsche Namen (z.B. Hitzacker und Tannenberg - von den Slawen

ursprünglich "Sweidelgöhrd d.h. helle Burg genannt )

Seit dem 12.Jahrhundet waren fast keine slawischen Allltagsgegenstände mehr im Umlauf und die Christianisierung im 13,Jahrhundert abgeschlossen.

Die Wenden waren im Mittelalter eine weniger gern gesehene Minderheit. Sie wurden häüfig als nicht vollwertige Bürger angesehen und Diskreminiert

-was z.b. durch die Wendengesetze zu Ausdruck kommt.



Die Sprache war sicherlich der stärkste Ausdruck der wendischen Identität. Bis zur Neuzeit wurde sie besonders in der Gegend um Lüchow gesprochen.



Gesang und Tänze wurden von der Kirche und den Staatsbeamten regelmäßig als "wendische Unordnung "und "wendisches gottloses Leben" verurteilt.



In den Städten im Raum Berlin-Brandenburg durften die "Wenden" genannten Slawen nur das Gewerk des Fischers ausüben und nur in abgegrenzten Wohnbereichen siedeln, wodurch sich bis ins 17. Jahrhundert Polabisch, in diesen so genannten Kietzen (oder: Fischerkietzen) bewahrte.

Als Polabisch bezeichnet man die Sprachen der westslawischen Stämme, die seit dem 7. Jahrhundert Gebiete des heutigen Nordostdeutschlands und Nordwestpolens besiedelten.





Der Dialekt im Wendland, der später Dravänopolabisch bezeichnet wurde verschwand schließlich im 18.Jahrhundert , konnte aber durch einige Schriften teilweise rekonstruiert werden.



"Nösse Wader , ta toy giss wa Nebisgdy , Sjungta woarda

tügi geima, tia Rik komma , tia Willia schinyot,kak wa Nebissgdy ; tok kak no Sime , nossi wisse danneisa Stgeiba doy nam dans un wittedoy nam nosse Ggrech,kak moy wittedoyime nossem gresmarim , ni

bringoy nos ka warsikonye , tay lösody Nos wit wissokak,

Amen"



Obiger Text ist das Vaterunser auf Dravänopolabisch

(niedergeschrieben im 18. Jahrhundert vom Pfarrer

Hennig)



Über die Wiedersacher der Wenden ist zu sagen:



Sächsische Ritter waren über einer gepolsterten Tunika mit einem Kettenhemd geschützt, das Nacken, Ellenbogen und alle Gelenke schützte. Über diesen Panzer streifte man ein ärmelloses Wams, das das Wappen trug. Der Helm war zunächst offen und mit dem typischen Nasenschutz versehen. Schon ab 1200 hat sich der geschlossene Topfhelm durchgesetzt. Das Schild wurde noch bis 1200 in der Form des Normannenschildes getragen - erst später

Später wurde das Schild wesentlich kleiner (wegen der besseren Bewegungsfreiheit).
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Rethra ( ODER RIEDEGOST )

Beitragvon Michael » 19.04.2010, 21:22

Rethra ( ODER RIEDEGOST )

war ein slawisches Zentralheiligtum in Mecklenburg. Seine Lage wird seit mehreren Jahrhunderten vorzugsweise am Südende des Tollensesees im Gebiet der Lieps vermutet

- freilich ohne dass der wissenschaftliche Nachweis bereits erbracht werden konnte.



Der slawische Stamm der Redarier sowie der der Tollenser beanspruchten eine Vorrangstellung innerhalb des Liutizen-Bundes, weil das Heiligtum in ihrem Bereich lag ,

so gesehen war es auch ein wichtiges Machtinstrument.



Die Christen zerstörten alle slawischen Heiligtümer(Urkundlich überliefert ist die Zerstörung Rethras für den Winter 1068/69 ), daher gibt es entsprechend wenig Archäologische Quellen-

da Rethra aus Holz gebaut war , gibt es keine Spuren des Heiligtums .



Thietmar von Merseburg war ein Zeitzeug , zu Beginn des 11. Jahrhunderts schrieb er über die Lutizen:



„Otto I. hatte viel Krieg mit den Slawen zu führen, die die Ostmarken seines Reiches unsicher machten. Zu ihnen gehörten die mächtigen Retharier, deren Stadt Rethra war, der Sitz der Abgötterei. Hier war den Göttern ein gewaltiges Heiligtum, unter denen Redigast das vornehmste war, errichtet worden. Des Gottes Bildnis aber war aus Gold und ruhte auf purpurnem Lager. Die Stadt selbst zählte neun Tore und war auf allen Seiten von einem tiefen See umschlossen. Eine hölzerne Brücke führte hinüber, und nur dem war es gestattet, seinen Weg darüberzunehmen, der sich zu opfern oder eine Weissagung zu hören nahte.Die Stadt Redigast oder Radigast war von dreieckiger Gestalt, hatte drei Tore und wurde von allen Seiten durch einen ungeheuren, von den Einwohnern nie berührten heiligen Hain umgeben. Zwei der Tore standen jedem in die Stadt gehenden Menschen offen, das dritte, das nach Osten lag und am kleinsten war, führte zu einem nahe gelegenen See. An diesem Tore stand ein aus Holz kunstvoll errichtetes Heiligtum, das anstatt auf Grundsteinen auf den Hörnern verschiedener Tiere ruhte. Die Wände waren mit geschnitzten Götterbildern geziert. Im Innern standen die Bildsäulen der Götter, mit Helm und Panzer bekleidet und furchtbar anzuschauen. An diesem Orte befanden sich die Feldzeichen des Volkes, die nur im Falle der Kriegsnot von hier weggenommen wurden. Um diese Fahnen sorgfältig zu behüten, waren von den Einwohnern des Landes besondere Diener angestellt. Untereinander heimlich murmelnd, wühlten sie, wenn sich das Volk zum Opfer nahte, zitternd die Erde auf, um aus den hervorgezogenen Losen Gewißheit über gewisse Dinge zu suchen. War das geschehen, dann bedeckten sie die Lose mit grünem Rasen und führten ein Roß, das unter allen für das größte gehalten und im Lande als heilig verehrt wurde, mit demütigem Flehen über die Spitzen zweier in die Erde gesteckter und sich kreuzender Lanzen.

So suchten sie, nachdem sie schon vorher durch Losung die Zukunft zu erforschen getrachtet hatten, durch jenes heilige Roß nach einem zweiten Zeichen, und erst wenn in beiden Fällen sich dasselbe Wahrzeichen kundgab, ging man an die Ausführung der Tat. Auch erzählte man sich hier von alters her, daß, sobald der wilde Schrecken eines lange währenden Kampfes drohte, aus den Wogen des obenerwähnten Sees ein gewaltiger Eber mit leuchtenden Zähnen hervorkäme und sich unter furchtbarem Getöse im Angesicht vieler im Sumpfe wälzte.

Quelle: Thietmar v. Merseburg, Chronicon VI, S. 17 f.





In der Burg wurden Feldzeichen aufbewahrt, die nur im Kriegsfall entnommen werden durften, und die Geschenke, die den Göttern nach der Rückkehr von einem Feldzug darzubringen waren. Für die Pflege des Tempels waren besondere Priester eingesetzt, die das Orakel bedienten und den Göttern Opfer brachten. Für Weissagungen benutzten sie ein besonders großes, für heilig gehaltenes Pferd, das über gekreuzte Lanzenspitzen geführt wurde. Ein weiteres heiliges Tier war ein großer Eber, der aus dem See stieg und sich im Schlamm wälzte, wenn ein Krieg bevorstand.



Interessant auch:

Die Schein-Heiligenvon Prillwitz

http://www.museumstag.de/museumstag_mag ... schen5.pdf



Literatur:

Wo befand sich Rethra? Die Lokalisierungsfrage um den sagenhaften Slawentempel

http://www.grin.com/e-book/93364/wo-bef ... awentempel



Interessante Seiten dazu:

http://www.alt-rehse.de/rethra.htm



Rethra ( ODER RIEDEGOST )

war ein slawisches Zentralheiligtum in Mecklenburg. Seine Lage wird seit mehreren Jahrhunderten vorzugsweise am Südende des Tollensesees im Gebiet der Lieps vermutet

- freilich ohne dass der wissenschaftliche Nachweis bereits erbracht werden konnte.



Der slawische Stamm der Redarier sowie der der Tollenser beanspruchten eine Vorrangstellung innerhalb des Liutizen-Bundes, weil das Heiligtum in ihrem Bereich lag ,

so gesehen war es auch ein wichtiges Machtinstrument.



Die Christen zerstörten alle slawischen Heiligtümer(Urkundlich überliefert ist die Zerstörung Rethras für den Winter 1068/69 ), daher gibt es entsprechend wenig Archäologische Quellen-

da Rethra aus Holz gebaut war , gibt es keine Spuren des Heiligtums .



Thietmar von Merseburg war ein Zeitzeug , zu Beginn des 11. Jahrhunderts schrieb er über die Lutizen:



„Otto I. hatte viel Krieg mit den Slawen zu führen, die die Ostmarken seines Reiches unsicher machten. Zu ihnen gehörten die mächtigen Retharier, deren Stadt Rethra war, der Sitz der Abgötterei. Hier war den Göttern ein gewaltiges Heiligtum, unter denen Redigast das vornehmste war, errichtet worden. Des Gottes Bildnis aber war aus Gold und ruhte auf purpurnem Lager. Die Stadt selbst zählte neun Tore und war auf allen Seiten von einem tiefen See umschlossen. Eine hölzerne Brücke führte hinüber, und nur dem war es gestattet, seinen Weg darüberzunehmen, der sich zu opfern oder eine Weissagung zu hören nahte.Die Stadt Redigast oder Radigast war von dreieckiger Gestalt, hatte drei Tore und wurde von allen Seiten durch einen ungeheuren, von den Einwohnern nie berührten heiligen Hain umgeben. Zwei der Tore standen jedem in die Stadt gehenden Menschen offen, das dritte, das nach Osten lag und am kleinsten war, führte zu einem nahe gelegenen See. An diesem Tore stand ein aus Holz kunstvoll errichtetes Heiligtum, das anstatt auf Grundsteinen auf den Hörnern verschiedener Tiere ruhte. Die Wände waren mit geschnitzten Götterbildern geziert. Im Innern standen die Bildsäulen der Götter, mit Helm und Panzer bekleidet und furchtbar anzuschauen. An diesem Orte befanden sich die Feldzeichen des Volkes, die nur im Falle der Kriegsnot von hier weggenommen wurden. Um diese Fahnen sorgfältig zu behüten, waren von den Einwohnern des Landes besondere Diener angestellt. Untereinander heimlich murmelnd, wühlten sie, wenn sich das Volk zum Opfer nahte, zitternd die Erde auf, um aus den hervorgezogenen Losen Gewißheit über gewisse Dinge zu suchen. War das geschehen, dann bedeckten sie die Lose mit grünem Rasen und führten ein Roß, das unter allen für das größte gehalten und im Lande als heilig verehrt wurde, mit demütigem Flehen über die Spitzen zweier in die Erde gesteckter und sich kreuzender Lanzen.

So suchten sie, nachdem sie schon vorher durch Losung die Zukunft zu erforschen getrachtet hatten, durch jenes heilige Roß nach einem zweiten Zeichen, und erst wenn in beiden Fällen sich dasselbe Wahrzeichen kundgab, ging man an die Ausführung der Tat. Auch erzählte man sich hier von alters her, daß, sobald der wilde Schrecken eines lange währenden Kampfes drohte, aus den Wogen des obenerwähnten Sees ein gewaltiger Eber mit leuchtenden Zähnen hervorkäme und sich unter furchtbarem Getöse im Angesicht vieler im Sumpfe wälzte.

Quelle: Thietmar v. Merseburg, Chronicon VI, S. 17 f.





In der Burg wurden Feldzeichen aufbewahrt, die nur im Kriegsfall entnommen werden durften, und die Geschenke, die den Göttern nach der Rückkehr von einem Feldzug darzubringen waren. Für die Pflege des Tempels waren besondere Priester eingesetzt, die das Orakel bedienten und den Göttern Opfer brachten. Für Weissagungen benutzten sie ein besonders großes, für heilig gehaltenes Pferd, das über gekreuzte Lanzenspitzen geführt wurde. Ein weiteres heiliges Tier war ein großer Eber, der aus dem See stieg und sich im Schlamm wälzte, wenn ein Krieg bevorstand.



Interessant auch:

Die Schein-Heiligenvon Prillwitz

http://www.museumstag.de/museumstag_mag ... schen5.pdf



Literatur:

Wo befand sich Rethra? Die Lokalisierungsfrage um den sagenhaften Slawentempel

http://www.grin.com/e-book/93364/wo-bef ... awentempel



Interessante Seiten dazu:

http://www.alt-rehse.de/rethra.htm
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Schlacht an der Raxa und Aufstand anno 983

Beitragvon Michael » 19.04.2010, 21:23

Die Schlacht an der Raxa (Recknitz) fand am 16. Oktober 955 im heutigen Mecklenburg-Vorpommern vermutlich nahe der heutigen Ortschaft Pantlitz bei Ribnitz-Damgarten statt.

(Laut Wilhelm Gottlieb Beyer im Gegensatz dazu dem Winkel zwischen dem Plauer See und der Lenzer Reke nordwestlich von Malchow als Ort der Schlacht).

Sie endete mit der Niederlage der Abodriten( auch Obodriten , sie waren ein mittelalterlicher elbslawischer Stammesverband -einer Untergruppe der Westslawen. unter ihrem Anführer Stojgnev gegen Otto I., worauf eine rund 30-jährige Friedenszeit folgte, die vom großen Slawenaufstand 983 beendet wurde.

Wichmann II -Wichmann II. (auch mit dem Namenszusatz der Jüngere bezeichnet) aus dem sächsischen Adelsgeschlecht der Billunger und Eckbert vom Ambergau, der Einäugige-

Graf im Amber- und Derlingau, Vogt des Bistums Münster und Herr der Alaburg und

Sohn des Billungers Graf Wichmann I. - erbündeten sich mit zwei slawischen Fürsten namens Nakon, dem Begründer der Dynastie der Nakoniden, und seinem Bruder Stoignew, während König Ottos Kräfte durch die Ungarneinfälle gebunden waren.

Die mit den Sachsen schon seit längerem verfeindeten Abodriten drangen zusammen mit ihren neuen Verbündeten 955 in das sächsische Gebiet ein und überfielen die Stadt der Cocarescemier, wo sie alle volljährigen Männer töteten und die Frauen und Kinder gefangennahmen.

Nachdem König Otto die Ungarn in der Schlacht auf dem Lechfeld besiegt hatte, erklärte er Wichmann und Ekbert zu Landesfeinden und drang in das Gebiet der Abodriten ein. Er bot den übrigen „Mitverschwörern“ Verschonung an, sofern sie sich ergäben. Nach Ablehnung seines Angebots zog er alles verheerend und verbrennend durch das Gebiet der Abodriten, wurde jedoch umzingelt. In der Schlacht am nächsten Tag standen sich auf deutscher Seite vermutlich 7.000 sächsische Reiter und 1.000 friesische Infanteristen am Westufer und auf slawischer Seite vermutlich 8.000 Fußtruppen und 1.000 Mann leichte Reiterei am Ostufer der Recknitz gegenüber. Die eingekesselten Deutschen konnten den Fluss aufgrund der Uferbeschaffenheit an dieser Stelle nicht überqueren. Mithilfe der mit den Deutschen verbündeten Ranen gelang es, einen geeigneten Flussübergang weiter nördlich zu finden, dort während eines Ablenkungsmanövers Brücken zu errichten und aus günstiger Position die heraneilenden Slawen auf der Ostseite der Recknitz zu stellen. Die Schlacht, die Otto gewann, endete mit vermutlich 1.100 Toten und 2.000 Verwundeten der Sachsen und vermutlich 4.500 Toten und 2.000 Verwundeten der Slawen.

Stoignew, der sich, während seine Gefährten flohen, in einem Gehölz verborgen hatte, wurde gefangen genommen und auf Geheiß Ottos enthauptet (Thietmar von Merseburg).

Nach Widukind von Corvey habe ein Ritter namens Hosed den Stoignew enthauptet und seinen Kopf dem König gebracht, wofür dieser ihm Ehre und Auszeichnung erwiesen habe. Den Kopf habe man am folgenden Tag auf dem Schlachtfeld aufgestellt und 700 slawische Gefangene eben dort enthauptet. Des weiteren sei der Ratgeber Stoignews geblendet und ihm sei die Zunge herausgeschnitten worden.

Die Wende:

Der Slawenaufstand von 983 war eine Erhebung der slawischen Liutizen und Abodriten östlich der Elbe gegen die Eingliederung in das Ostfrankenreich..



Nach den Kriegszügen Heinrichs I. und Ottos I. galten die Elb- und Ostseeslawen als christianisiert. Zuletzt hatte Otto I. die Abodriten im Jahre 955 in der Schlacht an der Raxa unterworfen. Das Gebiet der Elb- und Ostseeslawen gehörte zunächst zur Sächsischen Ostmark, die im Jahre 965 in kleinere Marken aufgeteilt wurde. Vor allem das Bistum Magdeburg entfaltete ab 968 eine rege Missionstätigkeit. Während im Reich um die Nachfolge Ottos II. gestritten wurde, erhoben sich im Sommer 983 slawische Verbände unter der Führung der Liutizen und vertrieben die kirchlichen und politischen Vertreter des Reiches. Die Bischofssitze Brandenburg und Havelberg wurden besetzt, das Kloster Kalbe geplündert. Den Liutizen schlossen sich Abodriten im Bistum Oldenburg an, welche 983 Hamburg überfielen. Ein in Eile aufgestelltes sächsisches Aufgebot konnte die Slawen nur für kurze Zeit hinter die Elbe zurückdrängen.

Die Lausitz und die sorbischen Marken, die unter sächsisch-thüringischer Herrschaft standen, hatten sich nicht am Aufstand beteiligt. Ab 985 unternahmen die Reichsfürsten gemeinsam mit den polnischen Fürsten Mieszko I. und später Boleslaw I. jährliche Kriegszüge, um das Gebiet fest zu unterwerfen. Die Feldzüge erwiesen sich als wirkungslos.

König Heinrich II. entschloss sich zu einem Wechsel der Politik: Er schloss im Jahre 1003 ein Bündnis mit den Liutizen und führte ab 1004 statt dessen Kriege gegen das bisher verbündete Herzogtum Polen unter Boleslaw I. Die slawisch-heidnische Herrschaft der Liutizen konnte sich so bis ins 12. Jahrhundert halten. Die unmittelbare Folge des Slawenaufstandes war ein fast völliger Stopp der Deutschen Ostsiedlung für die nächsten 200 Jahre. Die Bischöfe von Brandenburg und die Bischöfe von Havelberg lebten fortan als Titularbischöfe außerhalb ihrer Bistümer, zumeist am königlichen Hof. Erst im 12. Jahrhundert wurde nach erneuter Eroberung und teilweiser Einbindung slawischer Fürsten die deutsche Besiedlung jenseits der Elbe fortgesetzt.
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Das Lied von der Heerfahrt Igors

Beitragvon Michael » 19.04.2010, 21:24

Das anonyme Igorlied ist ein mittelalterliches Epos der Rus.Es behandelt den im Jahre 1185 unternommenen missglückten Feldzug des russischen Fürsten Igor Swjatoslawitsch von Nowgorod-Sewersk gegen die Polowzer, der ihn in Gefangenschaft brachte, aus der er jedoch entkam. Das Igorlied beklagt die Uneinigkeit der Russen und das Fehlen eines zentralen Herrschers.



Die Dichtung ist mit 218 Strophen nicht sehr umfangreich. Die einzige erhaltene Originalhandschrift verbrannte während Napoleons Invasion 1812 in Moskau. Im 19. Jahrhundert wurde das Werk vor allem in Osteuropa populär, aber auch in Deutschland, wo es unter anderem von Rainer Maria Rilke übersetzt wurde. Alexander Borodins Oper Fürst Igor mit den berühmten Polowetzer Tänzen basiert auf dem Igorlied.



Das Lied von der Heerfahrt Igors!!



Wäre es nicht besser, Brüder, auf alte Weise die kummervolle Erzählung zu beginnen über die Heerfahrt Igors, des Igor Swjatoslawitsch?



Doch nein, möge dieses Lied anheben, den Begebenheiten unserer Zeit folgend und nicht der Erfindung Bojans.



Denn der weise Bojan, wollte er auf jemand ein Preislied singen, dann schweifte er in Gedanken durch die Baumwipfel, dann strich er einem grauen Wolf gleich über die Erde, dann schwebte er wie ein silberblauer Adler unter den Wolken dahin.



Er erinnerte sich, so sagte er, der allerersten Zeiten der Fehden; so ließ er denn zehn Falken los auf eine Schar von Schwänen, und jener Schwan, den zuerst ein Falke ereilte, stimmte ein Preislied an auf den alten Jaroslaw, auf den kühnen Mstislaw, der Rededja erstach vor den kassogischen Heerscharen, und auf Roman, den schönen Swjatoslawitsch.



Bojan jedoch, Brüder, ließ nicht zehn Falken los auf eine Schar von Schwänen, sondern griff mit seinen kundigen Fingern in die lebendigen Saiten; sie selbst aber waren es, die zum Ruhme der Fürsten erschallten.



Laßt uns, Brüder, diese Erzählung führen vom alten Wladimir an bis hin zum heute lebenden Igor, der den Verstand umgürtete mit seiner Kraft und sein Herz mit Tapferkeit schärfte

und der, erfüllt von Kampfeslust, seine mutigen Heerscharen gegen das Polowzerland zum Streit führte für das Russische Land.



Da schaute Igor auf zur hellen Sonne und sah seine Krieger von ihr mit Finsternis bedeckt,

und es sprach Igor zu seinem Gefolge:



»Brüder und Mannen! Besser ist es, erschlagen zu werden denn gefangen;



laßt uns also die schnellen Rosse besteigen, Brüder, auf daß wir den blauen Don erblicken.«



In Kampfeslust entbrannte des Fürsten Sinn, und das Verlangen, den großen Don zu versuchen, verhüllte ihm das Vorzeichen.



»Ich will«, so sagte er, »den Speer am Rand der Polowzersteppe brechen, mit euch, ihr Russen, will ich meinen Kopf hinlegen oder aber mit dem Helm aus dem Don trinken.«



O Bojan, du Nachtigall der alten Zeit! So hättest du diese Heerfahrt besungen, hüpfend, Nachtigall, im Geäst der Gedanken, im Geist unter den Wolken dahinfliegend, beide Enden des Ruhms dieser Zeit zusammenfügend, auf der Fährte Trojans durch die Felder jagend hin auf die Höhn.



Für dessen Enkel würde es sich ziemen, ein Preislied auf Igor so zu beginnen:



»Nicht der Sturm trieb die Falken auf die weite Steppe – Dohlen ziehen in Schwärmen hin zum großen Don«;

oder aber, weiser Bojan, Enkel des Weles, du hättest so angestimmt:

»Die Rosse wiehern jenseits der Sula – es erklingt der Ruhm in Kiew; die Hörner erschallen in Nowgorod – es stehen die Banner in Putiwl.«Igor harrt seines lieben Bruders Wsewolod.



Und es sprach zu ihm Wsewolod, der Wilde Ur:

»Einziger Bruder mein, einziges helles Licht – Igor du! Beide sind wir Söhne des Swjatoslaw;

sattle, Bruder, deine schnellen Rosse,

die meinen stehen schon bereit, zuvor bei Kursk gesattelt;

meine Kursker aber sind erfahrene Krieger: unter Hörnerklang geboren, unter Helmen gehegt, mit der Spitze des Speeres genährt;

die Wege sind ihnen bekannt, die Schluchten vertraut, ihre Bogen sind gespannt, ihre Köcher weit offen, ihre Säbel geschärft;

selbst jagen sie wie graue Wölfe über das Feld, sich Ehre suchend und dem Fürsten Ruhm.«



Und so stieg Fürst Igor in den goldenen Steigbügel und ritt hinaus aufs freie Feld.



Die Sonne versperrte ihm mit Finsternis den Weg;

die Nacht, gewitterschwer stöhnend, schreckte die Vögel auf;



Tierlaute wurden wach, es erhob sich der Diw, schrie in den Wipfeln, hieß feindliches Land aufhorchen, die Gestade der Wolga, die Schwarzmeerküste, das Land an der Sula, Surosh und Korsun und dich, Götzenbild von Tmutorokan.



Und die Polowzer eilten auf nicht bereiteten Wegen dem großen Don entgegen; es kreischten ihre Wagen um Mitternacht wie aufgescheuchte Schwäne. Igor führt seine Krieger hin zum Don!



Schon lauern die Vögel im Eichenwald seinem Unheil auf; die Wölfe beschwören heulend in den Schluchten das Ungewitter herauf; die Adler locken mit ihrem Schrei die Tiere zum Knochenmahl herbei; die Füchse bellen die rotfarbenen Schilde an.



O Russisches Land! Schon liegst du jenseits der Hügel!



Langsam nur weicht die Nacht,

auf flammte des Morgenrots Schein, Nebel bedeckte die Fluren,

der Nachtigallenschlag verstummte, das Schwatzen der Dohlen erwachte.



Die Russen versperrten die weite Steppe mit ihren rotfarbenen Schilden, sich Ehre suchend und dem Fürsten Ruhm.



Freitag früh am Morgen stampften sie die heidnischen Scharen der Polowzer nieder und rissen, sich pfeilschnell über das Feld ergießend, die schönen Polowzermädchen an sich und mit ihnen Goldgeschmeide, Seidengewebe und kostbaren Samt.



Mit Decken, Mänteln und Pelzen und allerlei Kostbarkeiten der Polowzer begannen sie Pfade zu bauen über Sümpfe und morastige Stellen.



Das purpurne Banner, die weiße Fahne, der rote Buntschuk, der silberne Schaft – sie alle wurden dem kühnen Swjatoslawitsch zuteil.



Es nächtigt Olegs tapfere Nestbrut in der Steppe, weithin hat sie der Plug verschlagen;

sie sind weder dem Falken noch dem Geier, noch dir, dem schwarzen Raben, du heidnischer Polowzer, zur Beute geboren.



Gsak trabt dahin, einem grauen Wolfe gleich, Kontschak weist ihm die Fährte zum großen Don.

Anderntags in aller Frühe verkündet blutiges Morgenrot den Sonnenaufgang;

schwarze Wolken ziehen vom Meer heran, sie wollen die vier Sonnen verdecken, und blaue Blitze zucken in ihnen.



Ein gewaltiges Unwetter naht, als Pfeilregen fegen die Schauer vom großen Don heran.



Hier werden Speere gebrochen, hier am Kajalafluß beim großen Don klirren Säbel an den Helmen der Polowzer.



O Russisches Land! Schon liegst du jenseits der Hügel!



Es treiben die Winde, die Enkel Stribogs, vom Meer her die Pfeile gegen die tapferen Heerscharen Igors!



Die Erde erdröhnt, trübe fließen die Ströme dahin, Staub bedeckt die Steppe;

die Banner künden: Die Polowzer nahen vom Don, sie nahen vom Meer

und von allen Seiten, die russischen Heerscharen umzingelnd.



Schreiend versperren die Söhne des Teufels das Schlachtfeld, und die tapferen Russen stellen sich ihnen mit ihren rotfarbenen Schilden entgegen.

Wilder Ur Wsewolod! Du stehst in vorderster Reihe, überschüttest die feindlichen Krieger mit Pfeilen, schlägst mit stählernen Schwertern auf ihre Helme.



Wohin der Ur auch immer, mit seinem goldenen Helm funkelnd, jagt, dort liegen die heidnischen Köpfe der Polowzer zuhauf;

zerschmettert sind die awarischen Helme von dir, Wilder Ur Wsewolod, mit stählernen Säbeln.



Was gelten Wunden dem, teure Brüder, der im Eifer des Kampfes Ehre und Gut als auch des Vaters goldenen Thron in der Stadt Tschernigow und seiner lieben Gattin, der schönen Glebowna, zärtliches Gebaren vergißt?



Vergangen sind die Zeiten Trojans, verflossen die Jahre Jaroslaws; vorbei sind die Feldzüge Olegs, des Oleg Swjatoslawitsch.



Jener Oleg aber schmiedete mit seinem Schwert Zwietracht und streute Pfeile über das Land.



In der Stadt Tmutorokan steigt er in den goldenen Steigbügel.



Diesen Klang hört der alte große Jaroslaw,

und Wladimir, der Sohn Wsewolods, hält sich allmorgendlich in Tschernigow die Ohren zu.



Die Ruhmsucht war es gewesen, die Boris Wjatscheslawitsch vor das Gericht des Höchsten brachte und ein grünes Leichentuch an der Kanina dem kühnen und jungen Fürsten ausbreitete, der Kränkung Olegs wegen.



Von jenem Kajalafluß her ließ Swjatopolk die Leiche seines Vaters zwischen zwei ungarischen Zeltern zur Heiligen-Sophien-Kathedrale nach Kiew bringen.



Damals, zur Zeit des Oleg Gorislawitsch, wurde Zwietracht gesät, und wuchs höher und höher; das Erbe der Enkel Dashdbogs wurde vertan; im Hader der Fürsten verkürzte sich das Leben der Menschen.



Damals hörte man im Russischen Land nur selten den Ruf der Pflüger, oft aber krächzten die Raben, die Leichen unter sich teilend, und die Dohlen ließen ihren Schrei ertönen, wenn sie sich zum Fräße sammelten.



Dies gab es zur Zeit jener Schlachten und Feldzüge, von solch einer Schlacht aber wie dieser hier hat man noch nicht gehört. Vom frühen Morgen bis zum Abend, vom Abend bis zum Sonnenaufgang schwirren die gehärteten Pfeile, dröhnen die Säbel an den Helmen, krachen die stählernen Speerspitzen

auf fremdem Feld inmitten des Polowzerlandes. Die schwarze Erde unter den Hufen war mit Knochen besät und mit Blut getränkt, und die Saat ging als Kummer auf im Russischen Land.



Was lärmt, was schallt

von weit her früh vor Sonnenaufgang? Igor wendet seine Scharen: Er bangt um seinen lieben Bruder Wsewolod.



Die Schlacht währte einen Tag, sie währte einen zweiten, und am dritten Tag zu Mittag fielen die Banner Igors.



Da nahmen die Brüder Abschied am Ufer der schnellen Kajala.



Da reichte der blutige Wein nicht aus,

da beendeten die tapferen Russen das Gastmahl: Sie hatten die Brautwerber trunken gemacht, selbst aber fielen sie für das Russische Land.



Vor Kummer welkte das Gras dahin, und die Bäume neigten sich vor Gram zur Erde.



Brüder, eine traurige Zeit ist angebrochen, schon hat die öde Steppe die Leichen der Krieger bedeckt.



Schon hat unter den Heerscharen der Enkel Dashdbogs die Rechtlosigkeit ihr Haupt erhoben. Als Jungfrau hat sie das Land Trojans betreten, mit Schwanenflügeln am blauen Meer rauschend, wo der Don sich ergießt; plätschernd vertrieb sie die Jahre des Wohlstands. Es versiegte der Widerstand



der Fürsten gegen die Heiden, denn es sprach der Bruder zum Bruder: »Dieses ist mein, und mein ist auch das.«Und es begannen die Fürsten von Geringem zu sagen: »Das ist groß«und Ränke zu schmieden gegeneinander,

und die Heiden drangen von allen Seiten siegreich ins Russische Land ein.



Oh! Weit flog der Falke, Vögel jagend, hin zum Meer.



Igors tapfere Heerschar aber läßt sich nicht mehr zum Leben erwecken.



Ihr hallte der Ruf der Trauer nach, und Wehklagen durcheilte das Russische Land,



Feuer den Menschen spendend aus flammendem Hörn. Die russischen Frauen brachen in Tränen aus und klagten:



»Niemals wieder können wir unsere Geliebten mit Gedanken und Sinnen fassen, niemals mehr mit Augen schauen, und Gold und Silber wird weniger denn je in unseren Händen sein.«



Auf stöhnte, Brüder, Kiew vor Kummer und Tschernigow vor Unbillen, ‘ ’



Schmerz ergoß sich über die Russische Erde; Leid über Leid floß durch das Russische Land. ‘ ’



Und die Fürsten schmiedeten Ränke, einer gegen den andern, ‘ ’

87 die Heiden jedoch fielen siegreich ein in das Russische Land und holten als Zins ein Eichhörnchenfell von jedem Hof. ‘ ’



Die beiden tapferen Söhne Swjatoslaws, Igor und Wsewolod, weckten jenes Unrecht erneut, das ihr Vater, der furchterregende Großfürst von Kiew, Swjatoslaw, ‘ ’

mit starker Faust gebändigt hatte. Mit seinen mächtigen Heerscharen und stählernen Schwertern verbreitete er Schrecken um sich, er trat auf das Polowzerland, machte Hügel und Schluchten dem Erdboden gleich, wühlte Ströme und Seen auf, legte Flüsse und Sümpfe trocken. Und den heidnischen Kobjak riß er, einem Wirbelsturm gleich, von der Meeresbucht mitten aus den ehernen gewaltigen Heerscharen der Polowzer, und es fiel Kobjak in der Stadt Kiew nieder, im Mannensaal Swjatoslaws.



Hier preisen Deutsche und Venezianer, Griechen und Mährer Swjatoslaws Ruhm, sie tadeln den Fürsten Igor, der den Wohlstand auf dem Grund der Kajala, des Polowzerflusses, versenkt hat, russisches Gold aufschüttend.



Und so mußte Fürst Igor den goldenen Sattel verlassen und in den Sattel eines Knechtes steigen.



Es verstummten in Trauer die Wehrgänge der Städte, und die Fröhlichkeit neigte ihr Haupt.



Swjatoslaw aber hatte einen rätselhaften Traum

in Kiew auf den Höhen. »Diese Nacht, von Abend an, hüllte man mich«, so sagte er, »in eine schwarze Decke auf einem Lager aus Eibenholz,

man reichte mir bläulichen Wein mit Kummer vermischt,

schüttete mir aus den leeren Köchern der heidnischen Fremden große Perlen auf meine Brust

und liebkoste mich; schon sind die Dachlatten ohne Firstholz in meinem goldgedeckten Palast.



Die ganze Nacht, krächzten graue Krähen

bei Plessensk, vor der Stadtmauer tauchten Waldschlangen auf, und die Krähen zogen in Schwärmen zum blauen Meer.«



Und es antworteten die Bojaren dem Fürsten:



»Schon hat der Kummer, o Fürst, sich deines Sinnes bemächtigt;

denn zwei Falken sind herabgeflogen von des Vaters goldenem Thron, zu suchen die Stadt Tmutorokan oder aber zu trinken mit dem Helm aus dem Don. Schon hat man den Falken die Flügel gestutzt mit den Säbeln der Heiden, schon hat man sie selbst in eiserne Fesseln geschlagen.



Dunkel ward es am dritten Tag. Zwei Sonnen verblaßten, die beiden purpurnen Säulen erloschen, und mit ihnen hüllten sich die jungen Monde, Oleg und Swjatoslaw, in Finsternis, versanken im Meer, und große Verwegenheit erfaßte die Hunnen.



Am Kajalafluß bedeckte Finsternis das Licht;

die Polowzer breiteten sich über das Russische Land aus gleich einer Pantherbrut.



Schon fiel Schande auf den Ruhm,

schon schlug Nötigung auf die Freiheit ein,

schon stürzte sich der Diw auf die Erde.



Und da stimmten die schönen gotischen Jungfrauen am Gestade des blauen Meeres ein Loblied an, klirrend mit russischem Gold, preisen sie die Zeiten des Boos, Rache heischend für Scharuchan.



Doch wir, die Mannen, entbehren jeder Freude.«



Und es verkündete der große Swjatoslaw sein goldenes Wort, mit Tränen vermischt, und sprach:

»O meine Söhne, Igor und Wsewolod! Allzu früh seid ihr darangegangen, mit dem Schwert das Polowzerland zu bedrängen und euch Ruhm zu suchen. Aber nicht in Ehren habt ihr den Kampf bestanden, denn nicht in Ehren habt ihr heidnisches Blut vergossen.

Eure tapferen Herzen sind aus festem Stahl geschmiedet und in Verwegenheit gehärtet.



Was habt ihr meinem silbergrauen Haar angetan!

Ich sehe nicht mehr die Macht meines starken und an Gut und Kriegern reichen Bruders Jaroslaw, mit seinen Bojaren aus Tschernigow, mit seinen Wojewoden, Tatranen, Scheibiren, Toptschaken, Rewugen und Olberern. Denn diese besiegen Heerscharen ohne Schilde, mit Messern nur und Kriegsgeschrei, weithin kündend vom Ruhme der Ahnen.

vergangenen Ruhm wollen wir selbst erringen und künftigen uns teilen.



Ist es ein Wunder, Brüder, wenn ein Alter wieder jung wird?



Wenn ein Falke mausert, jagt er die Vögel hoch in den Lüften; keine Kränkung läßt er seinem Nest widerfahren.



Das Schlimme aber ist, daß die Fürsten mir nicht mehr zur Seite stehen:

In ihr Gegenteil haben sich die Zeiten verkehrt.



Da stöhnen die Bewohner Rimows unter den Säbelhieben der Polowzer und Wladimir unter den Wunden.

Trübsal und Trauer wurden dem Sohne Glebs zuteil!«

Großfürst Wsewolod! Kannst du nicht von fernher in Gedanken herbeifliegen, des Vaters goldenen Thron zu schützen?

124 Du vermagst das Flußbett der Wolga mit Ruderschlägen leer zu spritzen und den Don mit Helmen auszuschöpfen. ‘ ’

125 Wenn du hier wärst, dann würde eine Sklavin eine Nogata und ein Knecht eine Resana kosten. ‘ ’

126 Du vermagst auf trockenem Land mit lebenden Speeren zu werfen, mit den kühnen Söhnen des Gleb. ‘ ’

127 Du, verwegener Rjurik, und du, David! Sind nicht die Euren auf goldenen Helmen durch ein Meer von Blut geschwommen? ‘ ’

128 Brüllen nicht eure tapferen Mannen gleich Uren, getroffen auf feindlichem Feld von gehärteten Säbeln? ‘ ’

129 So steigt denn, ihr Gebieter, in den goldenen Steigbügel um der Rechtlosigkeit unserer Zeit willen, um des Russischen Landes willen, um der Niederlage Igors willen, des kühnen Swjatoslawitsch!



Jaroslaw Osmomysl aus Galitsch! Du sitzt hoch oben auf deinem goldgeschmiedeten Thron, stützt das ungarische Gebirge mit deinen ehernen Heerscharen, gebietest dem König selbst Einhalt, dein Tor gegen die Donau hin sichernd, schleuderst Lasten über die Wolken, hältst Gericht bis hin zur Donau.



Dein furchtgebietendes Wort durcheilt die Lande, auf dein Geheiß hin öffnete Kiew seine Tore, du richtest die Waffen von deines Vaters goldenem Thron auf Sultane in fernen Landen.



So richte denn die Waffen, Gebieter, auf Kontschak, den heidnischen Knecht, um des Russischen Landes willen, um der Niederlage Igors willen, des kühnen Swjatoslawitsch!



Und du, tapferer Roman, und du, Mstislaw! Ein mutiger Sinn drängt euch zur Tat.



Hoch gleitest du in Kühnheit der Tat entgegen, wie ein Falke in den Lüften schwebend, vom Wunsche getrieben, die Vögel in verwegener Jagd zu stellen.



Ihr tragt doch eiserne Brustpanzer unter den welschen Helmen. Von ihnen erbebte die Erde, und viele Völker – die Hunnen, die Litauer, die Jatwager, die Dernen und die Polowzer – warfen ihre Speere von sich und beugten ihr Haupt unter euren stählernen Schwertern.



Doch schon ist, o Fürst Igor, das Licht der Sonne verblaßt, und die Bäume haben unheilverkündend ihr Laub abgeworfen:



An der Ros und an der Sula wurden Städte als Beute verteilt. Und die tapfere Heerschar Igors, sie ist nicht wieder zum Leben zu erwecken.



Der Don ruft nach dir, Fürst, und lockt die Fürsten zum Sieg.



Die Enkel Olegs, die tapferen Fürsten, sie eilten zur Schlacht.



Ingwar und Wsewolod und alle drei Söhne Mstislaws, ihr sechsfach geflügelten Falken aus keinem schlechten Nest! Nicht durch Waffenglück habt ihr euch Besitztümer erworben!



Wo sind nun eure goldenen Helme und lechischen Spieße und Schilde?



Haltet unser Tor vor den Steppenvölkern mit euren scharfen Pfeilen verschlossen um des Russischen Landes willen, um der Niederlage Igors willen, des kühnen Swjatoslawitsch!



Schon strömt die Sula nicht mehr silberhell schäumend – ein Schutz für die Stadt Perejaslawl – einher, und die Dwina, sie sickert unter dem Kriegsgeschrei der Heiden einem sumpfigen Rinnsal gleich für die furchtgebietenden Bewohner von Polozk dahin.



Nur Isjaslaw noch, der Sohn Wassilkos, ließ seine scharfen Schwerter an den litauischen Helmen erklingen, er brachte dabei den Ruhm seines Ahnherrn Wseslaw zur Strecke und fiel selbst unter rotfarbenen Schilden auf blutgetränktem Gras, getroffen von litauischen Schwertern. Er fiel wie mit der Liebsten aufs Lager

und klagte:

»Deine Mannen, o Fürst, sie wurden von den Fittichen der Aasvögel bedeckt, und Raubtiere leckten ihr Blut.« ’

Es fehlte sein Bruder Brjatschislaw, und auch der andere Bruder, Wsewolod, war nicht zur Stelle: Einsam ließ er seine perlengleiche Seele aus dem kühnen Leib durch des Kragens goldverbrämten Saum entweichen.

Es verstummten die Stimmen, die Freude sank dahin, in Grodno erklangen die Hörner.



Jaroslaw und ihr Enkel alle des Wseslaw! Zeit ist es, eure Banner zu senken und eure schartigen Schwerter in die Scheide zu tun;

schon seid ihr des Ruhms der Ahnen verlustig gegangen.



Habt ihr doch begonnen, mit euren Fehden die Heiden ins Russische Land zu locken und in das Erbland Wseslaws.



Eurer Zwietracht wegen nahte Gewalt vom Polowzerland!Im siebenten Zeitalter des Trojan

warf Wseslaw das Los, um die ersehnte Jungfrau zu gewinnen.



Listig wie er war, baute er auf die Pferde, er eilte hin zur Stadt Kiew und rührte mit dem Schaft seines Speers an den goldenen Kiewer Thron.

Von da aus jagte er um Mitternacht, einem reißenden Tier gleich, aus Belgorod fort, umhüllt vom blauen Nebel;

dreimal versuchte er, das Glück an sich zu reißen:

Er zwang Nowgorod, ihm seine Tore zu öffnen, er zerschlug den Ruhm Jaroslaws,

er jagte, einem Wolf gleich, von Dudutki her an die Nemiga. An der Nemiga breitet man Garben von Menschenköpfen aus, drischt man mit stählernen Flegeln, legt man Menschenleben auf die Tenne hin, worfelt die Seele aus dem Leib.



An der Nemiga wurden die blutigen Gestade nicht zum Guten besät, sie wurden besät mit den Gebeinen der russischen Söhne.



Wseslaw hielt als Fürst Gericht über Menschen, den Fürsten gab er Städte zum Lehen, selbst aber verließ er, trabend als Wolf, bei Nacht und Nebel Kiew, noch vor dem Hahnenschrei erreichte er Tmutorokan; als Wolf kreuzte er die Fährte des großen Chors.



In Polozk bei der Heiligen-Sophien-Kirche läutete man für ihn früh zur Morgenmesse die Glocken, er aber hörte ihren Klang in Kiew.

Wenn auch in seinem mutigen Körper eine zauberkundige Seele wohnte, so blieb er doch oft vom Unheil nicht verschont.



Auf ihn dichtete der weise Bojan, der Kluge, vorzeiten den Spruch:



»Weder ein Listiger noch ein Schlauer, noch ein Vogel, so gewandt er auch sei – keiner vermag dem Gericht Gottes zu entfliehn.«



Oh, wehklagen sollte das Russische Land, wenn es der frühen Zeiten und der ersten Fürsten gedenkt!



Jenen alten Wladimir konnte man nicht anschmieden an den Kiewer Bergen:

Seht, auch heute stehen Rjuriks Banner und andere, die David gehören; nach verschiedenen Seiten aber flattern ihre Feldzeichen;

die Speere surren! ’



An der Donau hört man Jaroslawnas Stimme, einem Kuckuck gleich klagt sie einsam früh am Morgen:

»Als Kuckuck will ich«, so ruft sie, »die Donau entlangfliegen,

meinen Ärmel aus Biberpelz will ich in die Fluten der Kajala tauchen

und dem Fürsten die blutigen Wunden netzen auf seinem mächtigen Körper.«



Es klagt Jaroslawna früh am Morgen zu Putiwl auf dem Wehrgang und spricht:

»O Wind, Brausewind! Weshalb, Gebieter, wehst du so ungestüm?



Weshalb treibst du auf deinen leichten Schwingen der Feinde Pfeile gegen meines Liebsten Krieger?



Genügte es dir nicht, unter den Wolken zu wehn, die Schiffe wiegend auf blauem Meer?



Weshalb, o Gebieter, hast du mein Fröhlichsein im Steppengras verweht?«



Es klagt Jaroslawna früh am Morgen zu Putiwl auf dem Wehrgang und spricht:

»O Dnepr, voll des Ruhmes! Du hast die steinernen Felsen des Polowzerlandes durchbrochen,

hast auf deinen Wogen wiegend die Kähne Swjatoslaws hin zum Heer des Kobjak getragen.

Trage nun wiegend, o Gebieter, meinen Liebsten mir herbei, auf daß ich ihm des Morgens früh nicht Tränen nachzusenden brauche hin ans Meer.«

Es klagt Jaroslawna früh am Morgen zu Putiwl auf dem Wehrgang und spricht:

»Helle, dreimal helle Sonne! Für alle scheinst du warm und schön;

weshalb, o Gebieterin, sandtest du deine sengenden Strahlen auf die Krieger meines Gatten? Weshalb hast du ihnen in wasserloser Steppe mit Durst die Bogen gekrümmt, hast du ihnen mit Kummer die Köcher verschlossen?«



Auf schäumt das Meer um Mitternacht: Wirbelstürme jagen in Nebelschwaden einher. Gott zeigt "Fürst Igor den Weg aus dem Polowzerland ins Russische Land, zu des Vaters goldenem Thron.



Die Abenddämmerung erlosch. Igor ruht, Igor wacht. Igor mißt in Gedanken die Steppe vom großen Don bis hin zum kleinen Donez.



Um Mitternacht pfeift Owlur jenseits des Flusses ein Pferd heran, er gibt dem Fürsten zu verstehen: Die Stunde des Aufbruchs ist für den Fürsten Igor gekommen!



Er rief, es dröhnte die Erde, es rauschte das Gras, die Zelte der Polowzer gerieten in Bewegung.



Fürst Igor aber jagte einem Hermelin gleich zum Röhricht und einer Schellente gleich aufs Wasser;

er schwang sich auf das feurige Roß, sprang von ihm als weißfüßiger Wolf herab,

jagte zu den Wiesenufern des Donez, zog einem Falken gleich unter den Wolken dahin, sich Gänse und Schwäne erlegend zum Frühstück, zum Mittagbrot und Abendmahl.

Während Igor als Falke die Lüfte durchmaß, trabte Owlur als Wolf dahin, abschüttelnd den feuchtkalten Tau; ihre feurigen Rosse aber hatten sie zuschanden geritten.



Der Donez sprach :

»Fürst Igor! Groß ist deine Herrlichkeit, groß ist Kontschaks Haß, groß ist die Freude des Russischen Landes.«



Und Igor erwiderte:

»O Donez! Groß ist deine Herrlichkeit, der du den Fürsten wiegtest auf deinen Wellen, ihm grünes Gras breitetest an deinen silbernen Gestaden, ihn einhülltest mit warmen Nebeln im Schatten grünender Bäume,

der du ihn behüten ließest durch deine Schellenten auf dem Wasser, durch deine Möwen auf den Fluten, durch deine Moorenten in den Lüften.«



Anders aber, so sagt er, ist der Stugna-fluß; mit kärglicher Strömung dahinfließend, verschlang er fremde Bäche und Boote, hielt sie fest im Buschgestrüpp, gab den Weg nicht frei dem jungen Fürsten Rostislaw hin zum Dnepr,

und es klagt am dunkelnden Ufer Rostislaws Mutter um den jungen Fürsten Rostislaw.



Vor Kummer welkten die Blumen dahin, und die Bäume neigten sich vor Gram zur Erde.

Es waren nicht Elstern, die da schwatzten: Den Spuren Igors folgt Gsak mit Kontschak.



Da hörten die Raben auf zu krächzen, die Dohlen verstummten, die Elstern ließen ihr Schwatzen sein,

nur die Schlangen krochen dahin. Die Spechte weisen mit ihrem Klopfen den Weg zum Fluß, die Nachtigallen verkünden mit freudigem Schlagen den nahenden Morgen.



Und es sagt Gsak zu Kontschak:

»Fliegt der alte Falke zum Nest, so erschießen wir den jungen mit unseren goldenen Pfeilen.«

Kontschak aber sagt zu Gsak:

»Fliegt der alte Falke zum Nest, so umgarnen wir den jungen mit einem schönen Mädchen.«

Und Gsak darauf zu Kontschak:

»Wenn wir ihn mit einem schönen Mädchen umgarnen, so bleibt uns weder der junge Falke noch das schöne Mädchen, und es werden uns die Vögel erneut in der Polowzersteppe bedrängen.«

So sagte Bojan, und laßt uns den Ausspruch des Sängers Swjatoslaws, der Zeit Jaroslaws; des Lieblings Olegs, nicht vergessen:

»Wenn es dir schwer ist, Haupt ohne Schultern, so ist es auch dir schwer, Leib ohne Haupt«– so auch dem Russischen Lande ohne Igor.



Hell strahlt die Sonne am Himmel – Fürst Igor ist wieder im Russischen Land.

Jungfrauen singen an der Donau – ihre Stimmen wehn über das Meer bis hin nach Kiew.



Igor reitet über den Boritschow zur heiligen Gottesmutter Pirogostscha.

Es jubeln die Länder, es jauchzen die Städte.

Sangen wir den alten Fürsten ein Lied, so laßt uns denn auch den jungen eins anstimmen:



»Ruhm Igor Swjatoslawisch, dem Wilden Ur Wsewolod und Wladimir Igorewitsch!«



Seid gegrüßt, ihr Fürsten und Mannen, die ihr für die Christenheit wider die heidnischen Scharen streitet!

Den Fürsten Ruhm und den Mannen! Amen
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Michael
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